Weil mindestens 120 Menschen infiziert sind, stehen in einem Göttinger Wohnblock 700 Menschen unter Quarantäne. Die Ausgänge sind mit Bauzäunen abgeriegelt. Versorgt werden die BewohnerInnen nach eigenen Angaben mit abgelaufenen Chips und Äpfeln. Deswegen kam es gestern Nachmittag zu heftigen Auseinandersetzungen mit der Polizei.

Polizei und Ordnungsamt bewachen seit Freitag, dass die 700 BewohnerInnen des Wohnkomplexes Groner Landstraße sich an die Ausgangsbeschränkungen halten. Die Stadt wollte mit Notfall-Paketen die Versorgung aufrecht erhalten. Im Hochhauskomplex leben rund 200 Kinder und Jugendliche, die Wohnverhältnisse seien „prekär“.

Am Mittag hatte vor dem Gebäude noch eine Protestaktion der „Basisdemokratischen Linken Göttingen“ stattgefunden. Sie beteiligten sich am bundesweiten Aktionstag #MietenwahnsinnStoppen. Währenddessen sei die Stimmung bei den BewohnerInnen hochgekocht. Die Polizei schirmte DemonstrantInnen vom Gebäude ab und setzte Pfefferspray ein, um den Protest außer Sichtweite zu bringen.

Die BewohnerInnen setzten ihren Protest gegen die Quarantänemaßnahmen jedoch fort und riskierten, die Bauzäune zu überwinden. Rund 100 Personen versuchten, sich an der Polizei vorbeizudrängen. Andere warfen mit Gegenständen aus Fenstern und von Dächern auf die Polizeikräfte. Diese forderten Unterstützung aus Hildesheim, Hameln und Nienburg an und setzten Pfefferspray gegen die BewohnerInnen ein. Einige Einsatzkräfte seien verletzt worden.

Die MieterrInnen beklagen vor allem, dass Nicht-Infizierte im Wohnblock praktisch keine Möglichkeit haben, sich zu schützen. Die Versorgung sei dürftig, manche Familien seien in Sorge, nicht genug zu Essen auf Vorrat zu haben. Unter den Lebensmitteln in den Notfall-Paketen seien abgelaufene Chips.


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