Bereits seit Jahren steht der Fleischkonzern Tönnies in der Kritik. Häufig geht es hierbei um die schlechte Haltung der Tiere, unangenehme Gerüche in der Nähe der Schlachtereien oder die schlechten Arbeitsverhältnisse. Nun haben sich 400 MitarbeiterInnen in Rheda-Wiedenbrück bei Gütersloh binnen 24 Stunden mit dem Covid-19-Virus infiziert. Der Betrieb wird nun vorerst geschlossen, und rund 7.000 Menschen werden unter Quarantäne gestellt.

Auf manchem LKW rund um die Fleischfabrik in Rheda-Wiedenbrück wird mit „Qualitätsfleisch“ geworben. Doch immer mehr negative Schlagzeilen ranken sich um das Unternehmen von Clemens Tönnies.

Am gestrigen Dienstag hatte das Unternehmen noch von insgesamt 128 Corona-infizierten MitarbeiterInnen in der Zerlegeabteilung in Rheda-Wiedenbrück bei Gütersloh gesprochen. Daraufhin wurden weitere Tests durchgeführt. Innerhalb eines Tages stieg so die Zahl auf 400 infizierte Beschäftigte. Bis zum jetzigen Zeitpunkt liegen immer noch nicht alle Ergebnisse der über 1.000 durchgeführten Tests vor. Das Unternehmen muss mittlerweile Konsequenzen ziehen und den Betrieb in Rheda-Wiedenbrück schließen.

Währenddessen reagiert der Landkreis mit einem massiven Shutdown, obwohl dieser noch versucht werden sollte, verhindert zu werden. Schulen und Kindertagesstätten werden bis zu den Sommerferien geschlossen. Ebenso werden Postfilialen geschlossen. Aus dem Landkreis selbst wird berichtet, dass es schon mehr als 600 Neuinfektionen an einem Tag gab.

Schuld daran ist die massenhafte Unterbringung von LeiharbeiterInnen in Sammelunterkünften. Hier ist der jetzige Fall von Tönnies nicht der Erste. Es kommt immer wieder zu unzähligen Corona-Ausbrüchen in der Fleischindustrie. Schon im Mai hatten sich mehr als 600 Beschäftigte in Fleischbetrieben angesteckt.

Viele dieser ArbeiterInnen sind durch Subunternehmen in den Fabriken angestellt. Diese Subunternehmen bieten den MitarbeiterInnen Werkverträge an. Die Bundesregierung sieht hier endlich einen Grund zum Einschreiten und will die Werkverträge ab Januar 2021 verbieten.

Bundesweiter Aktionstag gegen Tönnies

Nicht nur die Werkverträge, sondern auch die Fabriken sind ein Problem

Doch nicht nur die Werkverträge sind eine Ursache. Das Problem zu Zeiten von Corona sind außerdem überfüllte Fabriken, in denen tausende ArbeiterInnen zusammenkommen – ein Problembewusstsein dafür allerdings fehlt. So haben die Autobauer wie VW oder Porsche ihre Werke nicht etwa geschlossen, weil sie Sorge um ihre MitarbeiterInnen hatten, sondern schlicht, weil es keine Zulieferer für die Produktion gab.

Solche Fabriken müssen zum Schutz aller ArbeiterInnen unverzüglich ihre Produktion drosseln, um ihre Beschäftigten zu schützen, und mindestens einen Mindestabstand in der Fabrik zu gewährleisten. Ebenso gilt es, die Werkverträge tatsächlich abzuschaffen – nicht erst im Januar, sondern sofort!


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