Seit Sonntag Abend greift die türkische Luftwaffe südkurdische Gebiete im Irak an. Darunter sind Stützpunkte der kurdischen PKK. Betroffen ist auch das Camp Mexmûr, wo mehr als zwölftausend Geflüchtete leben. Als Reaktion gingen in Deutschland in dutzenden Städten Menschen gestern Abend auf die Straße.

Die Türkei hat eine Luftoffensive unter den Namen „Adlerklaue“ gestartet. Die türkische Regierung sprach von Operationen gegen „Terroristen“. Bei den Luftangriffen der NATO-Armee wurden laut der kurdischen Nachrichtenagentur ANF mehrere Ziele getroffen:

  • das selbstverwaltete Flüchtlingslager Mexmûr, in dem mehr ca. zwölftausend Geflüchtete aus Nordkurdistan leben und das unter UN-Aufsicht steht. Unter den Geflüchteten sind viele ezidische Familien, die vor dem vorrückenden Islamischen Staat gerettet wurden,
  • die Gebiete in und rund um das Qendîl-Gebirge, in welchem die Guerilla-Einheiten der kurdischen Partei PKK Stützpunkte haben,
  • die ezidische Şengal-Region und
  • in Serdeşt wurde eine Krankenstation getroffen, es ist die Rede von mehreren Verletzten.

Proteste in ganz Deutschland

Als Reaktion auf die völkerrechtswidrigen Angriffe kam es weltweit zu Protesten, auch in Deutschland. Verschiedene kurdische Organisationen hatten zu Aktionen in 25 Städten aufgerufen, darunter auch die Kampagne #RiseUp4Rojava.

In Hamburg versammelten sich etwa 300 Personen, in Hannover protestierten etwa 250 Menschen. In Bielefeld kamen rund 200 Personen, in Magdeburg etwa 90 Menschen zusammen.

In sozialen Medien gab es zudem Kritik daran, dass sich die deutsche Regierung zu den Luftangriffen ausschweige. Zudem wurde die Unterstützung des Militärs durch deutsche Rüstungsgüter verurteilt. Im vergangenen Jahr war die Türkei der wichtigste Abnehmer für deutsche Kriegswaffen. Rund ein Drittel der Waffenlieferungen gingen in das Land.

Deutsche Waffenexporte in die Türkei auf höchstem Stand seit 14 Jahren

 


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