Das Unternehmen kündigt an, seine Stellenstreichungspläne wegen der Krise noch auszuweiten. Bisher war von 10.000 bis 15.000 Arbeitsplätzen die Rede, die wegfallen sollen. Betriebsbedingte Kündigungen schließt der Konzern nun nicht mehr aus. Auch die Arbeitsbedingungen will Daimler neu verhandeln. Der Autokonzern steht mit seinen Plänen in einer Reihe mit anderen Firmen der Branche.

Daimler will noch deutlich mehr Stellen abbauen, als bisher geplant war. Eine genaue Zahl nennt der Autokonzern jedoch bislang nicht. Personalvorstand Wilfied Porth äußerte gegenüber der Deutschen Presseagentur lediglich, dass es nicht bei 10.000 bis 15.000 wegfallenden Arbeitsplätzen bleiben werde, wie es lange Zeit hieß: „Die neue Zahl ist auf jeden Fall größer als die beiden.“.

Bereits in der Hauptversammlung des Unternehmens am vergangenen Mittwoch hatte Daimler-Vorstandschef Ola Källenius eine Verschärfung des Sparprogramms verkündet, das im vergangenen Herbst beschlossen worden war. Dort waren bereits Einsparungen beim Personal in Höhe von 1,4 Milliarden Euro vorgesehen. Auch diese Zahl werde „definitiv größer“, so Personalvorstand Porth.

Bisher wird der Stellenabbau laut dem Unternehmen durch „natürliche Fluktuation“, also Altersteilzeitregelungen und Abfindungen umgesetzt. Diese Maßnahmen, die bisher ausschließlich die Verwaltung betrafen, könnten nun auch „auf einzelne Produktionsbereiche“ ausgeweitet werden. 700 ArbeiterInnen hätten entsprechende Angebote bereits angenommen. Zudem solle der IT-Service mit ca. 2.000 Stellen an eine externe Firma ausgelagert werden.

Betriebsbedingte Kündigungen nicht ausgeschlossen

Betriebsbedingte Kündigungen schließt Daimler für die Zukunft jedoch nicht mehr aus. Laut einer bisherigen Vereinbarung zwischen Konzern und Betriebsrat sollten diese bis zum Ende des Jahrzehnts unterbleiben. Personalvorstand Porth weist jedoch auf signifikante Veränderungen in den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen durch die Krise hin. Die Autoindustrie befände sich in einer Restrukturierung. Gleichzeitig warf er dem Betriebsrat mangelndes Entgegenkommen vor.

Neben dem Stellenabbau will Daimler auch über die Arbeitsbedingungen im Unternehmen neu verhandeln: „Wir haben tarifliche Vereinbarungen wie Pausenregelungen, wir zahlen Spätschichtzulagen ab 14.00 Uhr. Das sind alles historische Dinge, die mögen zum damaligen Zeitpunkt alle richtig gewesen sein. Aber sie passen nicht mehr in die heutige Zeit, und sie passen nicht mehr in die heutigen Kostenstrukturen.“, so Porth. Man rede auch über Arbeitszeitverkürzungen ohne Lohnausgleich und gegebenenfalls über das Weihnachts- und Urlaubsgeld.

Daimler steht mit seinen Plänen gleichauf mit anderen Firmen der Autobranche: Erst kürzlich hatten Volkswagen und BMW einen großen Abbau von Stellen verkündet. Auch die Zulieferindustrie ist betroffen. Der Wissenschaftler und Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer – jetzt an der Universität St. Gallen – rechnet für die aktuelle Krise mit einem Verlust von 100.000 Arbeitsplätzen in der deutschen Auto- und Zuliefererbranche.

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