Vor einem halben Jahr wurde Maria B. von einem Beamten der Berliner Polizei in ihrer Wohnung erschossen. In ihrem Zimmer hing auch eine Antifa-Fahne. Das Verfahren gegen den Polizisten wurde nun eingestellt. Er soll in Notwehr gehandelt haben.

Am Morgen des 24. Januar 2020 drangen Beamte der Polizei in Berlin Friedrichshain in die Wohnung der 33-jährigen Maria B. ein. Dort brachen sie zu viert die Tür zum WG-Zimmer von Maria auf, in dem sie sich eingeschlossen hatte. Laut Polizei geschah dann folgendes: Da Maria auf die Beamten mit einem Messer zugekommen sei und den Aufforderungen, es fallen zu lassen, nicht nachkam, gab einer die tödlichen Schüsse ab. Maria B. verstarb noch am Tatort.

Vorausgegangen war ein Streit mit ihrem Mitbewohner, der aussagte, dass auch er von Maria mit einem Messer bedroht worden sei. Er verließ daraufhin die gemeinsame Wohnung und verständigte die Polizei. Maria habe sich daraufhin in ihrem eigenen Zimmer eingeschlossen.

Sozialpsychiatrischer Notdienst wurde nicht hinzugezogen

Maria B. war drogenabhängig, hatte eine zierliche Körperstatur und wog ungefähr 50 Kilogramm. Für die Nachbarn sei es unverständlich, wie die Polizei so vorgehen konnte. Die Beamten waren wegen B. schon öfter vor Ort gewesen und hätten über deren labilen Zustand informiert sein müssen.

Zudem wurde an dem Morgen nicht der sozialpsychiatrische Notdienst hinzugezogen, der im Umgang mit suizidgefährdeten und bewaffneten Personen geschult ist. Dieser hätte auf B. eingeredet, sie zur Aufgabe gebracht und ein Aufbrechen ihrer Zimmertür durch die Polizei verhindern können.

Maria B. soll auch antifaschistisch engagiert gewesen sein. So hing in ihrem Zimmer eine Antifa-Fahne, in Teilen der Szene soll sie bekannt gewesen sein. Im Anschluss an ihre Demonstration gab es bereits eine Demo in Berlin.

Nach tödlichem Polizei-Schuß auf Antifaschistin: Demonstration in Berlin

Verfahren gegen den Beamten eingestellt

Nun wurde das Verfahren gegen den damals 28-jährigen schießenden Polizisten jedoch eingestellt. Laut der Staatsanwaltschaft handelte der Beamte aus Notwehr und der Gebrauch der Schusswaffe sei unvermeidbar gewesen.

Bereits im Januar ging die Mordkommission des Landeskriminalamts schon im Vorhinein davon aus, dass der Beamte sich völlig korrekt verhalten habe. Problematisch ist auch der Umstand, dass die Situation nur von der Polizei selbst beobachtet wurde.

Dass Maria mit dem Messer auf den Polizisten zuging, ist nicht durch weitere Zeugen belegbar. Der Mitbewohner war zwar während des Einsatzes in der Wohnung anwesend, konnte die Vorgänge aber nur hören. Die Aussagen der Polizisten decken sich.

Für heute, den 24. Juli 2020, ist um 17 Uhr eine Gedenkkundgebung auf dem Boxhagener Platz in Berlin Friedrichshain angemeldet.


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