Am Montag haben Zehntausende ArbeiterInnen in den USA unter dem Motto „Strike for Black Lives“, also „Streik für Schwarze Leben“, gestreikt. US-amerikanischen Medienberichten zufolge fanden in über 200 Städten Streiks oder andere Protestaktionen statt. Dazu aufgerufen hatten zuvor über 60 Gewerkschaften und politische Organisationen, die wirkliche Veränderung und Handlungen forderten, statt leeren Worten und Versprechen. – Ein Kommentar von Lowis Brenner

Was sie fordern:

Die OrganisatorInnen rufen zum Streik oder zu anderen Formen des Protests und der Solidarität auf. Es sei Zeit die Wirtschaft und die Gesellschaft zu verändern. Aber um ökonomische Gerechtigkeit und Klimagerechtigkeit zu erlangen, sei es nötig Rassismus konsequent zu bekämpfen. Das schreiben die OrganisatorInnen des Streiks auf ihrer Website und formulieren vier Forderungen.

  • Sie verlangen „Gerechtigkeit für Schwarze Communities“ als notwendigen Schritt um Gerechtigkeit für alle ArbeiterInnen zu erkämpfen.
  • Die Verantwortlichen auf allen Ebenen müssten ihre Macht nutzen, um „die Wirtschaft und Gesellschaft neuzudenken und umzugestalten.“
  • Von UnternehmerInnen verlangen sie den entschlossenen und sofortigen Kampf gegen Rassismus und ökonomische Ausbeutung. Das beinhalte auch die Durchsetzung einiger Arbeiterinnenrechte, zum Beispiel einer Gesundheitsversorgung und Bezahlung bei Krankheitsausfall. Außerdem forderten sie Unterstützung für Arbeitslose, die ihren Job in Folge der Corona-Pandemie und der Wirtschaftskrise verloren haben, sowie ausreichend Schutz vor dem Virus.
  • Zudem solle jede/r das Recht haben, sich in einer Gewerkschaft zu organisieren.

Wer hat gestreikt?

Dass diese Forderungen von den ArbeiterInnen getragen werden, hat sich im ganzen Land in den unterschiedlichsten Branchen gezeigt. Es gibt zwar keine genauen Zahlen, aber Medien und die OrgansiatorInnen gehen von Zehntausenden aus. In Chicago und Florida protestierten ArbeiterInnen von McDonalds gegen die miserablen Arbeitsbedingungen. In 85 Pflegeheimen streikten fast 6000 Angestellte, genauso wie 1500 Hausmeister in San Francisco. In Washington forderten systemrelevante ArbeiterInnen die Verabschiedung eines Gesetzes, das ihnen Hilfsgelder gegen die wirtschaftlichen Folgen der Krise verspricht. Unter anderen waren auch LKW-FahrerInnen, LehrerInnen und Angestellte des Servicebereichs auf den Straßen.

Tausende ArbeiterInnen, die nicht streiken konnten, pausierten die Arbeit für 8 Minuten und 46 Sekunden – die Zeitspanne, die ein Polizist auf George Floyds Hals kniete, was zu seinem Tod führte.

Das ist ArbeiterInnensolidarität!

Die Streiks schließen sich einer kämpferischen Bewegung an, die den strukturellen Rassismus bekämpft. Das Hauptaugenmerkmal der Öffentlichkeit lag dabei seit George Floyds Tod und den darauffolgenden Protestwellen, vor allem auf der Polizeigewalt gegen Schwarze Menschen.

Mit den Streiks wird jetzt ein anderer Aspekt hervorgehoben: die doppelte Unterdrückung Schwarzer ArbeiterInnen als zentraler Punkt in diesem Kampf und die Forderung von ökonomischer Gerechtigkeit. Denn Rassismus ist auch ein Mittel die Lohnarbeit Schwarzer ArbeiterInnen verstärkt auszubeuten und sie zu unterdrücken. Sie arbeiten häufiger in schlecht bezahlten Jobs unter schlechten Bedingungen.

So soll ein Konkurrenzkampf unter den ArbeiterInnen entstehen – zum Beispiel zwischen LeiharbeiterInnen und Festangestellten – der durch rassistisches Gedankengut befeuert wird und dazu führt, dass ihre wirtschaftliche Position enorm geschwächt wird. Genau dem haben die ArbeiterInnen in den USA etwas entgegengesetzt. Ihre ArbeiterInnensolidarität, die es ihnen ermöglicht für ihre gemeinsamen Interessen und gegen rassistische Unterdrückung zu kämpfen.


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