Das Video einer brutalen Misshandlung in einer Arrestzelle in Belgien ist ans Licht gekommen. Darin sieht man, wie eine Vollzugsbeamtin neben dem bewusstlosen Opfer den Hitlergruß zeigt. Die hinterbliebene Witwe vertraut den Ermittlungsbehörden nicht mehr und veröffentlichte nun das Video auf eigene Faust. Sie fordert Aufklärung und Gerechtigkeit.

Einen schockierenden Anblick liefern die Bilder des brutalen Polizeieinsatzes in einer Arrestzelle in Belgien. Im Jahre 2018 war der Slowake Jozef Chovanec in einer solchen Zelle am Flughafen Charleroi in Brüssel an einem Herzinfarkt verstorben. Zuvor wurde er wegen seines auffälligen Verhaltens und, weil er sein Flugticket nicht vorzeigen wollte, festgenommen.

In der Zelle schlug Chovanec mehrmals seinen Kopf gegen die Wand, was auch auf dem Video zu erkennen ist. Daraufhin betreten zwei Vollzugskräfte die Zelle. Einer der beiden fixiert den Mann und setzt sich anschließend mit seinen Knien auf seinen Brustkorb. In dieser Position verharrt der Beamte für 16 Minuten, während sich das Opfer wehrt.

Während 3 PolizistInnen den Mann drangsalieren, zeigt eine weitere Vollzugsbeamtin den Hitlergruß. Ein Videoausschnitt zeigt auch, wie die Beamten sich über das Opfer lustig machen, es auslachen und neben ihm tanzen. Das Video endet damit, dass ein Rettungsteam den Raum betritt und nach diesem Gewaltexzess an dem blutverschmierten Opfer erste Hilfe leistet.

Witwe: “Ich möchte wissen, was passiert ist”

Die hinterbliebene Henrieta Chovancova ist zunehmend frustriert über die Behandlung des Falls. Seit mehr als zwei Jahren ist er nicht geklärt worden. Sie hat kein Vertrauen mehr in die Ermittlungsbehörden und veröffentlichte deshalb am Mittwoch das Video – auch gegen den Rat ihrer Anwälte: “Ich möchte wissen, was passiert ist und warum die Polizei sich so verhalten hat”.

Erst nachdem die Witwe selbst aktiv wurde und das Video jetzt veröffentlichte, kam Bewegung in den Fall. Die Polizistin, die den Hitlergruß zeigte, darf allerdings weiter ihren Beruf ausführen. Sie wurde jedoch in den Innendienst versetzt.  Und am Donnerstag legte der Vize-Bundespolizeichef des Landes als Reaktion auf die öffentliche Empörung sein Amt nieder.

Der Vorfall erinnert schmerzlich an den Fall von George Floyd. Der US-Amerikaner wurde von der Polizei bei einem Einsatz brutal ermordet. Seine letzten Worte waren „I can‘t breathe“ (dt.: „Ich kann nicht atmen“).


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