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Freitag, Juni 14, 2024
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    Folgen der Deindustrialisierung: Menschen im Osten verdienen immer noch weniger und arbeiten länger

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    Am 3. Oktober wird der 30. Jahrestag der „Deutschen Einheit“ gefeiert. Doch bis heute gibt es ein starkes Lohngefälle zwischen den neuen und alten Bundesländern. Im Osten müssen ArbeiterInnen im Jahresdurchschnitt bis zu anderthalb Wochen mehr arbeiten, verdienen dafür aber bis zu 15 Prozent weniger. Ursache dafür ist die Deindustrialisierung des Ostens

    Das geht aus einer Untersuchung des Statistischen Bundesamtes im Auftrag der Linksfraktion hervor.

    Demnach haben Menschen in Ostdeutschland zum einen weniger Geld in der Tasche: Während im Jahr durchschnittlich 37.015€ deutschlandweit verdient werden, liegt der Jahresbruttolohn in Sachsen-Anhalt beispielsweise bei nur 30.739€.

    Zum anderen müssen die ArbeiterInnen auch länger arbeiten. Wurden in Gesamtdeutschland 1.334 Stunden im Jahresdurchschnitt gearbeitet, waren es in Thüringen schon 1.394 und in Sachsen-Anhalt sogar 1.402 Stunden.

    Damit verdienen Ostdeutsche jährlich im Schnitt bis zu 17 Prozent weniger und müssen bis zu 1 ½ Wochen länger arbeiten.

    Keine schnelle Änderung zu erwarten

    Dass sich dies kurzfristig nicht ändern wird, sagt Peter Hahn, Leiter der Abteilung Staat beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin, ganz offen.

    Denn einer der wichtigsten Gründe für die unterschiedlichen Löhne in Ost und West sei, dass jeweils unterschiedliche Branchen angesiedelt sind. Zudem gebe es auch Unterschiede bei den Betriebsgrößen. Denn: fast alle große Industrieunternehmen befinden sich in Westdeutschland.

    Deindustrialisierung als Grund

    Das war nicht immer so. Ursache der geringen Anzahl an Großbetrieben im Osten Deutschlands ist die gezielte Deindustrialisierungspolitik nach der Einverleibung der DDR 1990. Durch die „Treuhand“ wurde damals ein Großteil der ostdeutschen staatlichen Betriebe privatisiert und an westdeutsche Konzerne fast verschenkt.

    Der Gesamtwert dieses Kapitals, das die Treuhand zu verwalten hatte, wurde zu Beginn auf 600 Milliarden DM geschätzt. Bei der Treuhand-Auflösung wies ihre Bilanz jedoch ein Minus von 256 Milliarden DM auf.

    Die ostdeutschen Betriebe wurden nicht ausgebaut, sondern zu Anhängseln westdeutscher Betriebe, deren Konzernzentralen entweder im Westen blieben oder dorthin verlagert wurden. Das spiegelt auch der massive Rückgang der Beschäftigtenzahl in der Industrieforschung von 75.000 (1989) auf ca. 12.000 (1994) in Ostdeutschland.

    Auch wenn es einzelne Standorte im Osten gibt, die wieder Industriekapital anlocken: die gezielte Deindustrialisierung Ostdeutschlands wird vermutlich noch über Jahrzehnte anhalten.

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