Im östlichen Mittelmeer spitzt sich der Streit um das Gasvorkommen zwischen der Türkei und Griechenland zu. Athen hat ein Militärmanöver angesetzt, Ankara reagierte darauf prompt.

Im Konflikt um das Gasvorkommen der beiden Nachbarn Türkei und Griechenland haben beide Staaten für Dienstag Militärmanöver angekündigt. Athen hat eine Übung für Montag südlich der Insel Kreta angesetzt, das türkische Verteidigungsministerium reagierte schnell und kündigte ein eigenes rivalisierendes Manöver zur gleichen Zeit in der gleichen Region an.

Der Auseinandersetzung beider Länder liegt ein Gasvorkommen zugrunde, das in der Region um Kreta und Zypern im östlichen Mittelmeer entdeckt wurde. Seit der Entdeckung sind die Türkei und Griechenland in einen heftigen Streit darüber geraten, welches Land die Quelle erkunden und später nutzen darf.

Die Türkei hat deshalb ein Schiff, die „Oruc Reis“, südlich der griechischen Insel Megisti (Kastelorizo) entsandt, um nach dem Erdgas zu forschen. Das Schiff wurde von Kriegsschiffen begleitet. Aus Sicht Athens sei die Suche der Türkei nach Erdgas nicht legal, weil die Region zur „Ausschließlichen Wirtschaftszone“ (AWZ) des EU-Landes gehöre. Deshalb versetzte Griechenland sein Militär in Alarmbereitschaft.

In den Neunzigerjahren gab es bereits einen ähnlichen Fall: Damals standen die beiden Staaten wegen eines Streits um zwei unbewohnte Ägäis-Inseln schon einmal kurz vor einem Krieg. Nun droht wieder ein bewaffneter Konflikt.

Die EU kritisiert das Vorgehen der Türkei scharf. Frankreich hat bereits Kriegsschiffe in die Region entsandt, in der die Türkei und Griechenland ihre Militärpräsenz ausgebaut haben. Die deutsche Bundesregierung hat derweil bis jetzt ein öffentliches Statement im Sinne des EU-Mitglieds Griechenland vermieden.
Jetzt reiste Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) nach Athen und Ankara. Am Dienstag versuchte er zwischen den beiden Ländern zu vermitteln. Vor einigen Wochen hat die Bundeskanzlerin selbst bereits einen ähnlichen Versuch gestartet: Sie telefonierte mit Erdoğan und seinem Kontrahenten Mitsotakis schon damals, um einen bewaffneten Konflikt der Länder zu vermeiden.


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