Dem „Verband Bildung und Erziehung“ (VEB) zufolge steigen die Fälle von Gewalt gegen Lehrkräfte in allen Schulformen. Lehrerinnen und Lehrer seien im Schulalltag vermehrt Beleidigungen, Drohungen und Mobbing ausgesetzt.

Durch den VEB wurde im Januar und Februar diesen Jahres eine Forsa-Umfrage unter 1.300 Schulleitungen veranlasst. Die jeweiligen Leitungen wurden dazu befragt, ob in den vergangenen fünf Jahren Lehrkräfte von psychischer oder physischer Gewalt berichtet hätten. Laut den Ergebnissen seien die Zahlen im Vergleich zu 2018 an allen Schulformen stark gestiegen.

Psychische wie physische Gewalt

61% der Lehrkräfte gaben an, dass sie in den letzten fünf Jahren Opfer von Beschimpfungen, Drohungen, Beleidigungen, Belästigung oder Mobbing geworden sind. 2018 lag der Wert noch bei 48%. 34% seien sogar körperlich angegangen worden.

Die Art der Gewalt sei je nach Schultyp unterschiedlich: Psychische Gewalt trete an weiterführenden Schulen (73%) und Gymnasien (61%) am häufigsten auf, während physische Gewalt vor allem an Grundschulen (40%) ein Problem darstellen würde. Lehrerinnen und Lehrer von Haupt- Real- und Gesamtschulen (73%) berichten vornehmlich von Beleidigungen und Drohungen, die gegen sie ausgesprochen würden.

Diese werden im Vergleich zu 2018 vermehrt über soziale Netzwerke, WhatsApp-Gruppen oder heimlich aufgenommene Videos verbreitet. Lehrerinnen seien auf Grund patriarchaler Verhältnisse in der Gesellschaft schwerer von Gewalt im Klassenzimmer betroffen.

Zusätzlich gingen Angriffe auch von Seiten der Eltern aus (8%). Eltern seien in über der Hälfte der Fälle nicht bereit, bei Gewalt durch ihre Kinder zu kooperieren und gemeinsam an Lösungen zu arbeiten.

Lösungsansätze

Die Schulleitungen gaben an, dass sie in 56% der Fälle keine ausreichende Hilfe für ihre Lehrkräfte bereitstellen könnten. Daher schlägt der VEB vor, multiprofessionelle Teams mit Fachkräften aus der Sozialarbeit, Sozialpädagogik und Psychologie an den Schulen einzusetzen, um Fälle zeitnah und vertrauensvoll aufarbeiten zu können. Zudem würden Fortbildungsangebote im Umgang mit Konfliktsituationen die Lehrerinnen und Lehrer vermutlich besser vorbereiten.

Auch müssten regelmäßig Statistiken über Vorfälle an Schulen geführt werden, da sich die tatsächliche Zahl der Angriffe nicht beziffern lasse. Die Ergebnisse der Umfragen bildeten nur die subjektiven Eindrücke der Schulleitungen ab. Laut dem VEB sei durch die Umfragen das Thema „Gewalt gegen Lehrkräfte“ aus seinem Nischen-Dasein ins Bewusstsein gerückt worden zu sein. Nun würden Schulleitungen Angriffe gegen ihr Personal sensibler wahrnehmen.


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