Erneut ist im Internet ein Video zu einem Vorfall von Polizeigewalt in Deutschland aufgetaucht. In Göttingen wurde ein 19-Jähriger von einem Beamten geschlagen. Die Polizei Göttingen hält das für „menschlich erklärbar“.

Der Vorfall hatte sich bereits am Donnerstagmorgen ereignet. Die Kamera am Computer des Jugendlichen war währenddessen angeschaltet, da er sich mit FreundInnen über die Plattform „Discord“ traf. Einer von ihnen zeichnete das Geschehen auf. Das Mikro des Jugendlichen war jedoch ausgeschaltet.

In dem Video ist zu sehen, wie er mit den BeamtInnen spricht. Dann wird er von einem Polizisten ins Gesicht geschlagen, ohne dass dessen KollegInnen eingreifen. Der Betroffene redete darauf weiterhin mit den BeamtInnen ohne selbst handgreiflich zu werden.

In einer am Sonntag veröffentlichten Presseerklärung heißt es, die Polizei sei am Donnerstag sowie dem Tag zuvor mehrfach wegen vermeintlicher Ruhestörung durch NachbarInnen gerufen worden. Er soll laut Musik gehört und gegen Möbel im Treppenhaus getreten haben.

Der Schlag des Beamten sei dabei eine Reaktion auf „Beschimpfungen“ gewesen. Ihm sei die Hand aber lediglich „ausgerutscht“. Das sei „nicht hinzunehmen und auch nicht angemessen“, jedoch „menschlich erklärbar“, wie sich der Leiter der Polizeiinspektion Göttingen, Thomas Rath, ausdrückte. Gegen ihn wird wegen Beleidigung und Ruhestörung ermittelt.

Nach diesem Einsatz wurde der Betroffene festgenommen. Er wurde dabei drei Stunden auf einem Polizeirevier festgehalten und musste anschließend vier Stunden nach Hause laufen. Gegenüber einem Korrespondenten von Perspektive Online gab er an, drei Stunden des Weges über eine Autobahn zurückgelegt zu haben. Zuvor sei er in Unterhosen aus seiner Wohnung gezerrt worden. Vor der Festnahme habe er außerdem schon auf Kopfhörern Musik gehört, es müsse also wieder ruhig gewesen sein.

Des Weiteren sei er schon einmal von einem der Beamten in Gewahrsam genommen worden. Auch er hat Anzeige gegen die BeamtInnen erstattet, gegen die „dienstrechtliche Maßnahmen“ eingeleitet wurden. Ermittlungen werden von der Polizei Hildesheim geführt.


Wir schreiben für Perspektive – ehrenamtlich und aus Überzeugung. Wir schalten keine Werbung und nehmen kein Geld von Staat oder Konzernen an. Hilf' uns dabei, unseren unabhängigen Journalismus zu erweitern: mit einer einmaligen Spende, einem regelmäßigen Beitrag bei Paypal, Steady oder am besten als Mitglied in unserem Förderverein.