Friedrich Merz gibt als möglicher künftiger Parteichef der CDU der Bild-Zeitung ein Interview. Zahlreiche Äußerungen zu rechten Positionen in der Sozialpolitik gehen fast unter, als seine Meinung zu einem homosexuellen Kanzler erfragt wird. Er zieht einen unausgesprochenen Vergleich zu Pädophilie.

Friedrich Merz rechnet sich Chancen aus, beim kommenden Parteitag der Union im Dezember Parteichef zu werden. Die Bild-Zeitung führte ein Interview mit ihm. An sich hatte Friedrich Merz sich während der Wirtschaftskrise und Pandemie nicht sonderlich profilieren können.

In der aktuellen Krise sehe er jedoch eine wirtschaftliche Chance für Europa – die EU sei „immer dann einen großen Schritt vorangekommen, wenn es Krisen gab“. Die aktuelle Krise sei eine Gelegenheit zu entscheiden, ob aus der „Währungsunion eine Wirtschaftsunion“ werde, die „auf der Welt Rang und Gewicht hat“.

„Nicht daran gewöhnen, ohne Arbeit leben zu können“

Die Bild-Zeitung interviewte Friedrich Merz auch zu seiner Perspektive auf die Kurzarbeit: „Wir müssen aufpassen, dass wir uns nicht daran gewöhnen, dass wir ohne Arbeit leben können.“, war seine knappe Antwort.

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Homosexualität „im Rahmen der Gesetze“

Im gleichen Interview fragte die Bild-Zeitung Merz auch nach seiner Meinung zu einem homosexuellen Mann als Kanzler. Dass diese Frage überhaupt gestellt wird, mag verwunderlich wirken. In Hinblick darauf, dass Merz‘ Parteikollege Jens Spahn als homosexueller Mann ebenfalls eine Spitzenperson der Union ist, ist sie sogar sehr brisant.

„Also, ich sage mal so über die Frage der sexuellen Orientierung: Das geht die Öffentlichkeit nichts an. Solange sich das im Rahmen der Gesetze bewegt und solange es nicht Kinder betrifft – an der Stelle ist allerdings für mich eine absolute Grenze erreicht –, ist das kein Thema für die öffentliche Diskussion.“

Er vergleicht Homo- und Pädosexualität damit nicht direkt. Jedoch ist für seine KritikerInnen nicht zu überhören, dass er an einen homofeindlichen Diskurs anknüpft: Mit der Legalisierung von Homosexualität werde auch Menschen, die Kindern gegenüber übergriffig werden, Tür und Tor geöffnet.

Diesen Zusammenhang in seiner Aussage zu verstehen, sei „bösartig“, so bezog Merz später gegenüber der Welt Stellung.


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