Zwischen Armenien und Aserbaidschan hat sich der Konflikt um die autonome Republik Bergkarabach entladen. Seit dem vergangenen Wochenende beschuldigen sich die zwei Länder gegenseitig, einen Krieg angezettelt zu haben. Die Bevölkerung der autonomen Republik ist bei dem Konflikt der leidtragende Part.

Mit schweren Kriegsgeräten beschießen das armenische und das aserbaidschanische Militär die Region um Bergkarabach. Ziel ist es jeweils, die Region zu erobern. Armenien auf der östlichen Seite von Bergkarabach kontrolliert die Region, doch völkerrechtlich gehört sie zum islamisch geprägten Aserbaidschan. In Bergkarabach leben hauptsächlich christliche Armenier und muslimisch geprägte Türken. Seit den 1990ern haben mittlerweile über eine Million Einwohner von dort fliehen müssen, und über 30.000 wurden getötet. Derzeit leben noch knapp 145.000 Menschen in Bergkarabach.

Ein historischer Konflikt

Hinter dem Konflikt stehen aber auch noch zwei gewichtige internationale Mächte: die Türkei und Russland. Russland unterstützt seit jeher die armenische Seite, während die Türkei Aserbaidschan hilft. Der Konflikt zwischen diesen beiden Ländern ist älter als der Zusammenbruch der Sowjetrepublik. In den frühen Jahren um den 1. Weltkrieg setzte der Machthaber und Gründer der heutigen Türkei, Mustafa Kemal Atatürk, seine Armee ein, um einen Genozid gegen die armenische Bevölkerung durchzusetzen. Bis heute bestreitet die türkische Regierung diesen Völkermord, und auch in der Bevölkerung ist häufig – sich distanzierend – vom „sogenannten“ Genozid die Rede.

Tauziehen der Großmächte

Auch im jetzigen Krieg schloss Armenien seine direkten Grenzen zur Türkei. Erdogan hingegen soll über 4.000 Kämpfer (unter anderem islamistische Milizen aus Syrien) nach Aserbaidschan entsandt haben. Wladimir Putin versucht derzeit, eine weitere Verschärfung des Konflikts zu vermeiden. Erdogan und Putin verbindet seit dem Syrienkrieg ein militärisches Bündnis. Auf der einen Seite kommt es zwischen den beiden Mächten immer wieder zu Konflikten, allerdings werden diese Auseinandersetzungen häufig vor dem Hintergrund der eigenen Machterhaltung vorübergehend beigelegt. Währenddessen fordert die Europäische Union einen sofortigen Waffenstillstand aller Akteure um Bergkarabach.

Bilder der jetzigen Situation zeigen eine verängstigte Bevölkerung in Bunkern, die nun abwarten muss, wie die Großmächte dem Konflikt begegnen wollen. Da die kriegerischen Auseinandersetzungen zu den „schwersten Kampfhandlungen seit langem“ gezählt werden, rückt die Hoffnung auf ein baldiges Ende der militärischen Handlungen in weite Ferne.


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