Eine junge Frau verstarb an den Folgen einer Gruppenvergewaltigung im indischen Bundesstaat Uttar Pradesh. Sie war eine „Dalit“, also Teil der untersten Gemeinschaft im Kastensystem. Auf diesem System beruht insbesondere in den ländlichen Gegenden die Unterdrückung von Teilen der Bevölkerungen. Verbrechen an Dalits ahndet der Staat nur selten, doch große Proteste sollen die Behörden in diesem Fall dazu zwingen.

Ein Bruder des Opfers hatte mitbekommen, wie eine Gruppe von Männern der 19-Jährigen aufgelauert hatte. Er informierte die Polizei, die untätig blieb. Wenig später fand die Familie die junge Frau, schwer gezeichnet von den Misshandlungen der Männer. Sie konnte kaum sprechen, weil ihre Zunge zerschnitten war, und sich nicht bewegen, da die Täter ihr Genick verdrehten. Zwei Wochen nach der Tat verstarb sie an den Folgen.

Die Familie des Opfers gehört zu den Dalits und betrachten sich als Nachfahren der indischen Ureinwohner. Sie bilden die unterste Kaste im System, das ursprünglich Menschen eine Wertigkeit zugeordnet hat, je nach der Arbeit, die sie verrichteten. Dalits haben beispielsweise im Abwassersystem gearbeitet und so die Gesellschaft versorgt, galten dennoch als die „Unberührbaren“. Insbesondere in ländlichen Gegenden prägt das Kastensystem noch immer den Alltag vieler Inder:innen. Junge Dalits nehmen die ständige Untätigkeit der Behörden bei Verbrechen gegen sie immer häufiger zum Anlass, um selbstbewusst ihre Rechte einzufordern.

Polizei versucht, Familie einzuschüchtern

Die Polizei versucht bis heute, die Vergewaltigung der 19-Jährigen zu leugnen. Daraufhin sind im Wohnort des Opfers, aber auch in der Hauptstadt Neu-Delhi heftige Proteste entbrannt. Schnell riegelte die Polizei deshalb den Wohnort der Familie ab und zerschlug die dortigen Proteste der Opposition.

Ein Video zeigt, wie der Landrat mit der Familie des Opfers zusammensitzt. Laut Übersetzung der tagesschau bedroht er den Familienvater: „Du solltest jetzt deine Glaubwürdigkeit besser nicht verlieren. Ich sage dir jetzt mal was: Die Hälfte der Journalisten sind schon jetzt weg, die andere Hälfte wird ziemlich bald hier abziehen. Wir aber bleiben immer hier. Es liegt an dir, ob du deine Aussage ändern willst oder nicht.“.

Die mutmaßlichen Täter sind Teil der sogenannten „Thakur“-Kaste. An diese Kaste der sogenannten „Verwalter“ oder „Herren“ gehen die mächtigsten Posten, viele höhere Polizeibeamte gehören ihr an. Wenn Männer eine Frau vergewaltigen und diese an den Verletzungen verstirbt, wird das Verbrechen eigentlich mit der Todesstrafe geahndet.

Auf den Druck der Proteste musste der Staat reagieren. Nun übernimmt die Bundespolizeibehörde den Fall.


Wir schreiben für Perspektive – ehrenamtlich und aus Überzeugung. Wir schalten keine Werbung und nehmen kein Geld von Staat oder Konzernen an. Hilf' uns dabei, unseren unabhängigen Journalismus zu erweitern: mit einer einmaligen Spende, einem regelmäßigen Beitrag bei Paypal, Steady oder am besten als Mitglied in unserem Förderverein.