Der Crypto-Email-Anbieter „ProtonMail“ erhebt schwere Vorwürfe gegen Apple. Der Konzern habe kleine Sicherheits-Unternehmen gezwungen, ihre Apps zu monetarisieren, nachdem diese zwei Jahre lang kostenlos im App Store verfügbar waren. Als „ProtonMail“ seine Kunden informieren wollte, drohte Apple damit, die App aus dem Store zu entfernen. Dies zeigt erneut die Marktmacht des Konzerns und die Nachteile, die sich daraus für Verbraucher:innen ergeben.

ProtonMail ist ein kostenfreier E-Mail-Dienst, der die Nachrichten der Nutzer:innen verschlüsselt. Die Verschlüsselungsmethode ist Open Source – kann also von jedem kostenlos eingesehen, genutzt und sogar geändert werden. Im Frühjahr 2020 hatte der Dienst etwa 25 Millionen NutzerInnen. Er wurde im Jahr 2013 im Zuge der Enthüllungen rund um die systematische Massenüberwachung durch den amerikanischen Geheimdienst NSA gegründet.

Offenbar ist das Unternehmen in der Vergangenheit unter Beschuss des Tech-Riesen Apple gekommen. Wie der CEO von ProtonMail, Andy Yen, nun öffentlich erklärte, habe der Konzern verlangt, dass ProtonMail seine App monetarisiere – um dann Geld an Apple abzuführen. Sollte dies nicht geschehen, würden Updates blockiert oder sogar die App aus dem App Store von Apple gestrichen. Das wäre mit Sicherheit mit starken Einbußen für das Verschlüsselungsunternehmen verbunden.

„Mafia-Erpressung“

Hauptgeschäftsführer Andy Yen sagt, dass sein Unternehmen nicht das einzige sei, das unter Apples „stark bewaffneten“ Taktiken leide, aber andere hätten Angst, darüber zu sprechen.

„Im Moment herrscht große Angst. Die Leute sind viel zu versteinert, um etwas zu sagen“, sagte Yen am Donnerstag zu The Verge. „In den ersten zwei Jahren waren wir im App Store, das war in Ordnung, keine Probleme. Aber wir können eine gängige Praxis erkennen, dass, wenn wir (…) anfangen, Uploads und Downloads in erheblichem Maße in Anspruch zu nehmen (…) dann läuft es, wie jede gute Mafia-Erpressung läuft: sie kommen, um etwas Geld für sich abzuschütteln.“

Dazu sei es im Jahr 2018 gekommen. „Aus heiterem Himmel sagten sie eines Tages, man müsse einen In-App-Kauf hinzufügen, um im App Store zu bleiben. Sie stießen auf etwas in der App, das erwähnte, dass es bezahlte Pläne gab, gingen auf die Website und sahen, dass es ein Abonnement gab. Sie könnten es kaufen und sich dann umdrehen und verlangen, dass wir „In-App-Käufe“ hinzufügen.“ Er kritisierte die Marktmacht Apples: „Sie sind Richter, Geschworene und Henker auf ihrer Plattform, und Sie können es nehmen oder lassen. Wir haben uns einfach daran gehalten, um unser Geschäft zu retten.“

Laut Yen war das Unternehmen gezwungen, seine Preise zu erhöhen, da die 30-prozentige Provision, die Apple einnimmt, die Gewinnmargen von ProtonMail vollständig verschlungen hat. Damit zahlten letztendlich die Verbraucher:innen den Preis.

„Coalition for App Fairness“

Erwähnenswert ist, dass ProtonMail eines der Gründungsmitglieder der „Coalition for App Fairness“ ist. Zusammen mit verschiedenen Unternehmen, darunter Microsoft, Epic Games, Spotify und andere, versucht das Unternehmen, die Wettbewerbsbedingungen in Bezug auf In-App-Käufe, Gebühren und wettbewerbswidrige Richtlinien zu verbessern. Apple war das Hauptziel der Koalition, hat aber auch Google kritisiert.


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