Wie bereits in den letzten elf Jahren planen Nazis wieder in der rheinischen Kleinstadt Remagen aufzumarschieren. Letztes Jahr gab es im Rahmen der Abreise einen Angriff der Faschist:innen auf Gegendemonstrant:innen. Verschiedene Bündnisse planen Proteste.

Die geschichtsfälschende Veranstaltung in Remagen blickt mittlerweile auf eine elfjährige Tradition zurück. Anlass für das alljährliche Auftreten bildet der Opfermythos rund um die sogenannten „Rheinwiesenlager“ in der Region um Remagen.

Es handelt sich dabei um Kriegsgefangenenlager der Allierten zum Ende des zweiten Weltkrieges. Dort waren neben Wehrmachtssoldaten auch Angehörige der Waffen-SS inhaftiert. Aufgrund der schlechten Versorgungslage zum Kriegsende kamen etwa 4.000 von insgesamt ca. 1.000.000 Gefangenen ums Leben.

Die Organisator:innen der rechten Demo behaupten dagegen, es wären dort eine Million Gefangene ermordet worden. Des weiteren sprechen sie von den faschistischen Soldaten als ihre „Helden“.

Entschiedener Gegenprotest

Der letztjährige Aufmarsch in Remagen lässt sich nicht als Erfolg für die angereisten Rechten bezeichnen. Nachdem sich der Start ihres Aufzugs aufgrund von Buttersäure auf ihrem Sammelplatz verzögerte, kam er auch nach wenigen Metern schon wieder zu stehen, da vier Bäume am Anfang der Strecke besetzt wurden.

Daraufhin mussten sie ihre geplante Strecke verlassen und ohne Publikum über eine Bundesstraße laufen, nur um bei ihren ersten Schritten wieder in Stadt hinein erneut auf eine Blockade zu stoßen und wieder ausweichen zu müssen, diesmal auf Seitenstraßen.

Dass es sich bei dem rechten Klientel in Remagen um gewaltbereite Faschist:innen handelt, bewiesen einige von ihnen, als sie abreisende Antifaschist:innen am Bonner Hauptbahnhof mit Flaschen, Feuerlöschern und einem sogenannten Totschläger attackierten.

Naziaufmarsch in Remagen gestört – Polizei schützt Naziangriff am Bonner Hauptbahnhof

Auch für dieses Jahr sind Gegenaktionen geplant

Ein paar Protestveranstaltungen wurden für dieses Jahr zwar aufgrund der aktuellen Pandemie abgesagt, doch unkommentiert wird der rechte Aufmarsch nicht bleiben.

Das Bündnis „Remagen für Frieden und Demokratie“ plant eine Menschenkette und wie in den letzten Jahren auch soll es eine antifaschistische Gegendemo parallel zur Naziroute geben, dieses Jahr unter dem Motto „Antifaschismus heißt, rechte Netzwerke aufzubrechen – in Polizei, Justiz und überall“.

Doch es soll nicht nur bei Gegenreden bleiben: Das Bündnis „#BlockZHG“ (ZHG=„Zentrales Heldengedenken“, offizieller Name der faschistischen Demo) kündigt Blockadeaktionen an, um den Aufmarsch zu verhindern.

Im Aufruf erklärt das Bündnis folgendes: „Bei faschistischem Terror wie in Halle oder Hanau können wir nicht wegschauen. (..) Da der Staat Nazi-Demos zulässt, liegt es an uns: Wenn im November der III. Weg, die NPD, die Rechte und Kameradschaften nach Remagen kommen, werden wir uns aktiv querstellen!“.

Betont wird auch, dass rechte Hetze nicht nur von Neonazis ausginge, sondern auch von bürgerlichen Politiker:innen und Medien, und auch in dieser Form bekämpft werden müsse. Der Aufruf wurde von 22 Gruppen unterzeichnet.


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