Am Dienstag wurde eine Studie des Finanzexperten Christoph Trautvetter über die Eigentumsverhältnisse auf dem Berliner Wohnungsmarkt im Auftrag der Rosa-Luxemburg-Stiftung veröffentlicht. Das Ergebnis ist wenig überraschend: Die Stadt befindet sich fest im Griff der Superreichen.

Wem gehört die Stadt?

In der Studie „Wem gehört die Stadt? Analyse der Eigentümergruppen und ihrer Geschäftspraktiken auf dem Berliner Immobilienmarkt“ wird der Versuch unternommen, die oft sehr schwierigen und unklaren Eigentumsverhältnisse auf dem Berliner Immobilienmarkt zu entwirren. Die Studie sei nach jahrelanger Recherche mit Hilfe von Mieter:innen entstanden. Redaktionsschluss war im Oktober.

Rund 1,75 Millionen Mietwohnungen gibt es dabei in der Hauptstadt. Laut Trautvetters Studie seien davon rund 800.000 im Besitz von Multimillionär:innen. Damit habe sich der Bestand an Mietwohnungen von Großunternehmen und -investoren in den Jahren 2012 bis 2017 mehr als verdoppelt. Dabei geht es nicht nur um bekannte Wohnungskonzerne wie „Deutsche Wohnen“ oder „Vonovia“, sondern auch um verschachtelte Firmenkonstrukte, bei welchen den Mieter:innen oft nicht klar ist, wem ihr Haus eigentlich gehört. So organisieren manche Immobilienkapitalist:innen jedes Mietshaus als eigene GmbH. In der Beschreibung der Studie durch die, der Linkspartei nahestehenden, Rosa-Luxemburg-Stiftung heißt es: die Studie öffne die „Blackbox der privaten Großgrundbesitzer“, über die bisher nur wenig bekannt sei.
Zu diesen zählen unter anderem die Familienstiftung „Becker & Kreis“, die über 3.600 Wohnungen in Berlin und Umgebung verfügt, oder „Wohnen ZBI“, die durch die Räumung des „Syndikats“ einige Bekanntheit erlangt hatten.

Die Studie gibt auch Anlass, die Grenze von bislang 3.000 Wohneinheiten für eine Sozialisierung im Volksbegehren „Deutsche Wohnen & Co Enteignen“ zu überdenken. So besitzen einige große Vermieter:innen eine Anzahl an Wohnungen über dieser Grenze, verschleiern dies jedoch durch Aufsplittern des Bestands auf verschiedene Treuhänder.

Das Märchen vom kleinen Privatvermieter

Ziel der Studie sei es unter anderem gewesen, den Mythos vom armen kleinen Privatvermieter zu widerlegen. Dieser wird in Debatten um die Mietpreisbremse oder den Mietendeckel immer wieder als Gegenargument genutzt.
Auf der Webseite www.wemgehoertdiestadt.de können Mieter:innen mit den Daten der Recherche die wirklichen Eigentümer:innen ihres Hauses nachvollziehen.

 


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