Im Dannenröder Forst verzögern Aktivist:innen durch Blockaden die Rodung des 300 Jahre alten Mischwalds. Er soll der geplanten A49 weichen. Bei Polizeiarbeiten vor der Rodung haben Polizisten den Sturz einer Aktivistin von einem „Tripod“ verursacht. Die Verletzte musste im Krankenhaus behandelt werden.

„Tripods“ sind Konstruktionen aus drei Stangen oder langen Ästen. Mit Seilen gesichert harren Aktivist:innen in diesen Bauten stunden- und tagelang aus. Sie blockieren damit Wege und Waldstücke, um sie vor der Rodung zu bewahren. Im Wald gibt es auch die sogenannten „Treepods“, die sich lebende Bäume zu nutze machen.

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Am letzten Sonntagmorgen ist eine Aktivistin von einem solchen Tripod fünf Meter tief gestürzt. Zunächst versuchte eine Polizeisprecherin, die Augenzeug:innenberichte, dass Polizeikräfte ein Sicherungsseil durchschnitten hätten, als Gerüchte abzutun. Inzwischen ist klar erwiesen: Ein Polizist hat tatsächlich ein Sicherungsseil gekappt und damit den Sturz verursacht. Hinweise auf vorsätzliches Handeln lägen bisher nicht vor.

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Nicht als Sicherungsseil markiert?

Zunächst untersuchten das hessische Landeskriminalamt und das Polizeipräsidium Südosthessen, inzwischen ermittelt die Staatsanwaltschaft Gießen wegen des Anfangsverdachts auf fahrlässige Körperverletzung gegen den 40-jährigen Beamten. Nach deren Erkenntnissen hat der Polizist das Seil in rund 30 Meter Entfernung vom Tripod durchtrennt. Er habe es nicht als Sicherungsseil erkennen können.

Die beteiligten Aktivist:innen haben daraufhin reagiert und klargestellt, dass alle Sicherungsseile im Dannenröder Forst auch als solche markiert seien. Fridays for Future nahm ebenfalls Stellung: „Die Polizei setzt im ‚Danni‘ leichtfertig Menschenleben aufs Spiel, um die Räumung der Baumhausdörfer möglichst schnell abzuschließen.“.

Weiterer Tripodsturz

Nur wenige Minuten, nachdem die Polizei ihre Schuld am Sturz eingeräumt hat, habe sie einen weiteren Sturz verursacht, so Ende Gelände. Diesmal habe die Person im Tripod aber vorgesorgt und das Seil mit einem weiteren Knoten versehen. So stürzte sie nicht bis auf den Boden, sondern wurde davor vom Seil aufgefangen – ein sogenannter „Pendelsturz“.

Aktivist:innen in U-Haft

Am Samstag nahm die Polizei außerdem zwei Demonstrant:innen in Gewahrsam. Ihnen wird vorgeworfen, mit Steinen auf Polizist:innen gezielt zu haben. Nach wie vor sind außerdem noch sieben Demonstrant:innen in Untersuchungshaft, nachdem sie am 26. Oktober festgenommen wurden.

Die Rote Hilfe Frankfurt berichtet, dass die Gefangenen massiv in ihren Grundrechten eingeschränkt würden. „Die verhängte Untersuchungshaft ist für den Strafvorwurf einer einfachen „Nötigung“ völlig unverhältnismäßig und politisch motiviert. Die sieben Gefangenen werden in Haft zudem massiv in ihren Grundrechten eingeschränkt: Noch immer werden sie jede Nacht regelmäßig unter dem Vorwand der Suizidgefahr geweckt – dabei haben alle längst mit den Psycholog*innen reden müssen. Die JVA weigert sich, das für Einkäufe von Draußen eingezahlte Geld an die Gefangenen auszuzahlen. Dies trifft die Gefangenen aufgrund ihrer veganen Ernährung besonders. Die JVA stellt ihnen keine eigenen Mahlzeiten zur Verfügung und nur mit Geld können sie sich in der JVA adäquat ernähren.“

Auf dieser Seite der Roten Hilfe Frankfurt sind die Anschriften der Aktivist:innen in U-Haft zu finden.


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