Im Dorf Lipa kurz vor der kroatischen Grenze ist ein Flüchtlingscamp bei einem Feuer weitgehend zerstört worden. Die „Internationale Organisation für Migration“ (IOM) und die lokalen Behörden beschuldigen Einwohner:innen der Brandstiftung. Über die Monate zuvor wurde das Lager nicht winterfest gemacht.

Gestern entschieden sich mehrere hundert Einwohner:innen eines Flüchtlingslagers in Lipa, dieses zu verlassen. Von der IOM wurden sie dafür mit Jacken ausgestattet. Währenddessen wurde ein Feuer im Lager gelegt. Nachdem das Feuer gelöscht wurde, kam es offenbar zu Plünderungen.

Die IOM hatte in den letzten Monaten mehrfach eingefordert, dass das Lager mit Strom und fließendem Wasser ausgestattet werden müsse, um es im Winter betreiben zu können. Da diese nicht erfüllt wurden, kündigten die IOM, das Rote Kreuz und der Dänische Flüchtlingsrat vor einigen Tagen ihren Rückzug aus dem Camp an.

Das Lager wurde im April unter anderem zur Bekämpfung der Corona-Pandemie geschaffen. Der Versuch, die Geflüchteten in dem Lager zu halten – vorgeblich mit dem Ziel der Viruseindämmung – ist nun offenbar mitten im zweiten Corona-Winter gescheitert.

Die Behörden des Landes waren nicht in der Lage, die für ein Lager notwendige Infrastruktur bereit zustellen, und die internationalen Flüchtlingsorganisationen weigern sich deshalb, unter diesen Bedingungen ein solches Camp weiter zu betreiben. Nicht zuletzt waren die Bedingungen offenbar für die Bewohner des Lagers selbst zunehmend unerträglich.

Im Ergebnis schließen sich pünktlich zu Weihnachten 1.400 Einwohner des abgebrannten Camps etwa 1.500 anderen Geflüchteten an, die bereits obdachlos in der Region leben.


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