Eine Studie des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) zeigt: In den letzten 60 Jahren ist bei 70 Prozent von 2.000 untersuchten Arten ein Rückgang zu verzeichnen.

Besonders betroffen von diesem Rückgang sind sogenannte „Archäophyten“, also Pflanzenarten, die durch den Menschen vor 1492 – also, bevor Christoph Kolumbus Amerika erreichte – nach Deutschland eingeführt wurden. Dazu zählen ein Großteil der „Ackerbegleit-Flora“, wie z.B der „Echte Frauenspiegel“, aber auch Arten wie der „Gute Heinrich“. Anders sieht es bei „Neophyten“ wie dem „Drüsigen Springkraut“ aus, also bei Arten, die nach 1492 nach Deutschland gelangten. Diese konnten sich weiter ausbreiten, jedoch konnte die Zunahme dieser Arten den Rückgang nicht ausgleichen. Insgesamt wurde auf jeder Fläche über ganz Deutschland hinweg ein Rückgang von zwei Prozent pro Jahrzehnt seit den 1960er Jahren verzeichnet.

Die Studie des iDiv, unter Beteiligung von Forscher:innen der Universitäten Jena, Halle und Rostock, des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) sowie des Bundesamts für Naturschutz (BfN) und der Naturschutzbehörden der Länder, stellt die bislang umfassendste Auswertung zur Verbreitung von „Gefäßpflanzen“ dar. Dafür wurden erstmals große Datensätze zusammengeführt und statistisch ausgewertet. Diese Daten sind das Ergebnis ehrenamtlicher Kartierungen, ohne die eine solche Untersuchung nicht hätte zustande kommen können.

Laut den Autor:innen der Studie sei es wahrscheinlich, dass der verzeichnete Rückgang Auswirkungen auf die Biodiversität und die Leistung von Ökosystemen hat. Die Rückgänge seien nicht nur auf gefährdete Arten beschränkt, sondern beträfen die Mehrzahl der Pflanzenarten. Dies könne gravierende Auswirkungen haben.
„Es wird einmal mehr deutlich, dass wir in unserem Umgang mit Natur und Landschaft zu einem Umdenken kommen müssen.“, schlussfolgert Prof. Dr. Beate Jessel, Präsidentin des Bundesamts für Naturschutz. „Wir müssen breit in der Fläche an der Land- und Forstwirtschaft ansetzen […]. Naturverträglichere Nutzungsformen sind dringend geboten.“
Was genau mit diesen naturverträglicheren Nutzungsformen gemeint ist, bleibt offen. Eine extensive Landwirtschaft, die gleichzeitig die Biodiversität erhält und sich in bestehende Ökosysteme eingliedert, ist jedoch unter der bestehenden kapitalistischen Wirtschaftsweise undenkbar.

 

 

 

 


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