Rechnet man alle Bestellungen zusammen, hat sich Deutschland mittlerweile 292 Millionen Impfdosen gesichert. Kostenpunkt: etwa 2,75 Milliarden Euro. Rechnerisch reicht das bei zwei notwendigen Dosen für 146 Millionen Menschen – bei einer Bevölkerung von gerade mal 82 Millionen. Wozu braucht Deutschland die weiteren Dosen?

Wie das Ärzteblatt berichtet, hat sich Deutschland mittlerweile 292 Millionen Impfdosen gesichert. Die aktuelle Preisliste für die Corona-Impfstoffe pro Dosis sollte geheim bleiben, ist jedoch durch eine Panne öffentlich geworden.

  • Vom Impfstoff der Unternehmen „Biontech“ (Deutschland) und „Pfizer“ (USA) sind bislang 85,8 Millionen Dosen gesichert worden. Bei einem Preis von 12 € pro Dosis erhalten die Unternehmen damit rund eine Milliarde Euro allein für die Impfdosen.
  • Vom zweiten aussichtsreichen Impfstoff des US-Konzerns „Moderna“ hat sich Deutschland nun – dem Gesund­heits­ministerium zufolge – über das EU-Kontingent 50,5 Millionen Impfdosen gesichert. Das Unternehmen mit dem teuersten Impfstoff erhält damit etwa 735 Millionen Euro.
  • Zusätzlich wurden für Deutschland noch weitere Impfstoffe geordert, deren Zulassung noch aussteht. Über die EU wurden den Angaben zufolge 42 Millionen Impfdosen des deutschen Herstellers „CureVac“ bestellt, zuzüglich 20 Millionen Dosen von Curevac auf nationaler Ebene. Das sind dann bei zwei benötigten Dosen etwa 660 Millionen Euro für CureVac.
  • Von dem Impfstoff der Firma „AstraZeneca“ solle Deutschland über die EU 56,2 Millionen Dosen erhalten. Kostenpunkt: 100 Millionen Euro.
  • Vom Impfstoff des Pharmakonzerns „Johnson & Johnson“ sollen es weitere 37,25 Millionen Dosen sein. Das kostet dann etwa 260 Millionen Euro.

Insgesamt kommt Deutschland damit auf 292 Millionen Impfdosen. Sollten alle wie verabredet ausgeliefert werden, lägen die Kosten bei insgesamt 2,75 Milliarden Euro. Deutschland würde dabei auch für Impfstoffe zahlen, die im wesentlichen mit staatlichem Geld entwickelt wurden.

So gab die Bundesregierung im September bekannt, dass der Impfstoffentwickler BioNTech aus Mainz 375 Millionen Euro durch ein Sonderprogramm Impfstoffentwicklung erhielt. CureVac aus Tübingen erhielt 230 Millionen Euro für seine Entwicklungskosten. Der Bund war zudem im Juni mit 300 Millionen Euro bei CureVac eingestiegen, er hält über die Förderbank KfW knapp 17 Prozent.

Impfdosen für 146 Millionen Menschen

Derzeit sieht eine Coronavirus-Impfung zwei Dosen pro Impfung vor. Damit reichen die 292 Millionen Impfdosen für rechnerisch 146 Millionen Menschen. Das sind 64 Millionen Menschen mehr, als derzeit in Deutschland überhaupt leben. Wie ist das zu erklären?

  • Zum einen findet international nicht ohne Grund ein harter Wettkampf um den Impfstoff statt – da eine „Herdenimmunität“ von ca. 60% der Bevölkerung einen Rückgang zur „Normalität“ – nicht nur für die Bevölkerung, sondern vor allem auch für die Wirtschaft – verspricht. Ausreichend Impfstoff scheint deshalb ein Vorteil im internationalen Konkurrenzkampf zu sein .
  • Viele der gesicherten Impfstoffe sind noch nicht zugelassen, geschweige denn ausgeliefert. Ob also alle Dosen bereit stehen werden, ist noch unklar.
  • Vor allem weniger finanzstarke Länder gehen derzeit im Kampf um die Sicherung von Impfstoff unter. Sollten also Impfdosen „übrig“ bleiben, könnte Deutschland diese aus seinem überflüssigen Kontingent nicht nur abgeben, sondern verkaufen – und damit gleichzeitig andere Länder an sich binden und Gegenleistungen verlangen.

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