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Dienstag, März 5, 2024
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    Oury Jalloh verbrannte in Polizeizelle – Gedenkaktionen in vielen Städten

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    Oury Jalloh verbrannte vor 16 Jahren am 7.1.2005 in einer Dessauer Polizeizelle. Am selben Tag starb auch Laye-Alama Condé nach einem Brechmitteleinsatz. Um ihrer und anderer Opfer rassistisch motivierter Polizeigewalt zu gedenken, kam es zu Aktionen in mehreren Städten Deutschlands, darunter Dessau, Berlin, Leipzig, Halle und Hamburg.

    Die „Initiative für ein Gedenken an Oury Jalloh“ kämpft seit mehr als 16 Jahren für eine lückenlose Aufklärung des mehr als fraglichen Todesfalls von Asylbewerber aus Sierra Leone, Oury Jalloh. Er soll sich vor 16 Jahren, an beiden Händen und Füßen gefesselt, auf einer feuerfesten Matratze selbst angezündet haben. Zahlreiche Tatsachen sprechen gegen diese These. Ein Ermittlungsverfahren wurde jedoch 2017 eingestellt.

    Am selben Tag, dem 7. Januar 2005, starb in Bremen der ebenfalls aus Sierra-Leone stammende Laye-Alama Condé nach einem gewaltsamen Brechmittel-Einsatz am 27. Dezember 2004. Das Gerichtsverfahren gegen den Arzt des ärztlichen Beweissicherungsdienstes, der Condé das Brechmittel und Wasser eingeflößt hatte – das wegen der Abwehrbewegungen Condés in seine Lunge floss -, wurde 2013 wegen der psychiatrischen „Verhandlungsunfähigkeit“ des Arztes eingestellt.

    Um gegen diese und weitere Fälle von rassistischer Gewalt, insbesondere Polizeigewalt, zu protestieren, hatte die Initiative zu Aktionen in ganz Deutschland aufgerufen.

    „Heute nach knapp 16 Jahren sind wir uns gewiss, dass es Mord war.“, hieß es in einem Aufruf  aus Halle. „Wenn wir rufen „Oury Jalloh, das war Mord!“, fordern wir gleichzeitig Gerechtigkeit für alle Opfer rassistischer Polizei- und Staatsbrutalität und machen diese sichtbar“. In ihrem Aufruf listet die Initiative unter anderem die Opfer Laye-Alama Condé, Achidi John, Mareame N’Deye Sarr, Arumugasamy Subramaniam, Halim Dener, Aamir Aggeb, Kola Bankole, Markus Omofuma, Christy Omordion Schwundeck, Dominique Koumadio, Ousman Sey, Mohammad Selah, Amed Ahmad, Stephan Neisius, Yaya Jabbie, Amos Thomas und Rooble Warsame auf.

    Dem  Aufruf folgend versammelten sich gestern in ganz Deutschland in über einem dutzend Städten hunderte Menschen.

    In Dessau kamen rund 150 Personen zusammen und zogen vor das Polizeirevier, in dem Oury Jalloh verstarb. Hier fand eine über zweistündige Kundgebung statt, die auch live im Internet gestreamt wurde.

    Aufgrund einer Teilnehmerbegrenzung in Dessau hatte es zuvor den Aufruf gegeben, nicht vollzählig nach Dessau zu fahren, sondern dezentrale Aktionen durchzuführen.

    In Berlin sammelten sich ca. 150 Personen vor der Landesvertretung von Sachsen-Anhalt. In Leipzig demonstrierten 350 Menschen in Connewitz, die Polizei war mit Wasserwerfern einem Hubschrauber sowie mehreren Hundertschaften vor Ort.

    https://mobile.twitter.com/4CLXI/status/1347187981057200129

    Zudem gab es Aktionen unter anderem in Köln, in Frankfurt, in Duisburg, Dortmund und Halle. Überall wurde nicht nur Oury Jallohs, sondern auch weiterer Opfer von Polizeigewalt gedacht.

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