Nach dem heftigen Kriseneinbruch im vergangenen Jahr steuert die Weltwirtschaft in 2021 auf eine Phase der Depression zu. Führende bürgerliche Wirtschaftsexperten rechnen mit vielen Unternehmenspleiten und Stellenstreichungen.

Die Börsenkurse schossen zum Jahreswechsel in die Höhe. Doch die Wirtschaftskrise ist noch nicht vorbei. In diesem Punkt sind sich zahlreiche bürgerliche Wirtschaftswissenschaftler:innen einig. Gabriel Felbermayer, Chef des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW), geht davon aus, dass im Zuge der Krise in Deutschland 600.000 Jobs verloren gehen.

Dies würde vor allem Bereiche betreffen, die sich bereits vor der Krise in einem Strukturwandel befunden hätten. Dazu gehören etwa die Luftfahrtbranche und der Tourismus. Die Corona-Pandemie habe das Schrumpfen der Luftfahrt „vorweggenommen“, das angesichts des Ausstiegs aus der fossilen Energiegewinnung (Dekarbonisierung) ohnehin passieren müsse. Einen Strukturwandel sieht Felbermayer auch für den Einzelhandel heraufziehen, weil die Pandemie den Umstieg auf das digitale Einkaufen befördere.

Marcel Fratzscher vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) erwartet für das neue Jahr daneben eine Zunahme der Unternehmenspleiten, die auch einen Anstieg der Arbeitslosigkeit mit sich bringen werde. Die Frage sei nicht, ob eine solche Pleitewelle komme, sondern wann.

Angst vor Pleitewelle: Auch im Januar müssen überschuldete Unternehmen keine Insolvenz anmelden

Die Bundesregierung hatte seit März die Pflicht überschuldeter Unternehmen zur Insolvenzanmeldung ausgesetzt. Hierdurch wurde die Zahl der Unternehmenspleiten im vergangenen Jahr künstlich niedrig gehalten. Die Regelung wurde im Dezember noch einmal verlängert und gilt noch bis Ende Januar.

Staatliche Rettungspakete für Unternehmen und die Geldflutungspolitik der Europäischen Zentralbank sorgen derweil dafür, dass auch stark kriselnde Firmen weiter an günstige Kredite kommen, um sich über Wasser zu halten. Einige bürgerliche Ökonomen warnen deshalb vor einer „Zombifizierung“ der Wirtschaft, das heißt vor der Entstehung einer Vielzahl nicht überlebensfähiger Firmen, die nur noch künstlich – durch billige Kredite – am Leben gehalten werden.

Es gilt deshalb als wahrscheinlich, dass zahlreiche Auswirkungen der Wirtschaftskrise zeitversetzt in den kommenden Monaten zu spüren sein werden. 2021 könnte damit zum Jahr der Depression werden, in dem die Produktion im wesentlichen stagniert und Kapital und Staaten versuchen, die Krisenfolgen auf die Arbeiter:innenklasse abzuwälzen. Felbermayer ist etwas optimistischer und geht von einer Belebung noch in diesem Jahr aus: 2021 werde die Wirtschaft wieder das Niveau vor der Corona-Pandemie erreicht haben.


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