In ganz Deutschland haben gestern Zehntausende der Ermordeten von Hanau vom 19. Februar 2020 gedacht. Bei über 150 Versammlungen in rund 100 Städten kam es zu Aktionen, Kundgebungen und Demonstrationen. Die Polizei setzte mancherorts Pfefferspray gegen Spontan-Demos ein, in Hannover wurde Pressearbeit behindert.

In Gedenken an Fatih Saraçoğlu, Ferhat Unvar, Gökhan Gültekin, Hamza Kurtović, Kaloyan Velkov, Mercedes Kierpacz, Sedat Gürbüz, Said Nesar Hashemi, Vili Viorel Păun haben gestern in rund 100 Städten in Deutschland Gedenk-Aktionen und Demonstrationen stattgefunden.

Vielerorts waren gleich mehrere Kundgebungen im Stadtgebiet angemeldet worden, um aufgrund der Corona-Pandemie die Protestierenden mit ausreichendem Abstand zu verteilen. Die „Initiative 19. Februar“ zählte gestern Abend auf ihrer Website über 150 geplante Aktionen.

In Hanau selbst haben mehrere hundert Menschen an Gedenk- und Protestveranstaltungen teilgenommen. Um 13 Uhr startete eine erste Demonstration, ab 15 Uhr im Anschluss an eine Kundgebung eine zweite durch die Innenstadt. Ein Aufzug nach Kesselstadt, wo der Anschlag stattfand, war wohl von der Polizei untersagt worden.

Auch am Heumarkt in Hanau gedachten viele Menschen der Opfer und sahen sich gemeinsam die offizielle Gedenkfeier im Live-Stream an. Zahlreiche Kerzen und Blumensträuße säumten die Bilder der Verstorbenen. Genau zur Tatzeit um 21.56 Uhr schwiegen alle Menschen am Heumarkt und am Kurt-Schumacher-Platz gemeinsam fünf Minuten und sechs Sekunden lang – so lange dauerte das Attentat von Hanau am 19. Februar 2020.

Bundesweite Aktionen

Im nahegelegenen Frankfurt am Main beteiligten sich rund 4.000 Menschen an einer Gedenk-Demo durch das Stadtgebiet. Schon am Donnerstag waren etwa 3.000 Menschen zusammen gekommen.

In Berlin versammelten sich am Leopoldplatz, am Oranienplatz und am Rathaus Neukölln insgesamt über 3.000 Personen. Auf den drei zentralen Kundgebungen rund um die Feldstraße in Hamburg kamen etwas mehr als 1.000 Menschen zusammen. Darüber hinaus gab es noch kleinere Aktionen im Stadtgebiet. Als sich im Stadtteil Wilhelmsburg im Anschluss an eine Kundgebung eine Spontan-Demo in Bewegung setzte, wurde sie von der Polizei mit Pfefferspray gestoppt.

In Leipzig versammelten sich bei drei Kundgebungen im Westen, Osten und Süden der Stadt insgesamt rund 3.000 Personen. Die Polizei setzte einen Hubschrauber ein, der über den Gedenk-Veranstaltungen kreiste.

In Köln fanden sich zu einer Kundgebung unweit der Keupstraße, in der im Juni 2004 der NSU eine Nagelbombe legte, fast 2.000 Menschen ein. Auch hier setzte die Polizei anschließend Pfefferspray gegen eine Spontan-Demo ein. Bei einer Gedenkaktion in Hannover kam es zur Behinderung von Pressearbeit von Seiten der Polizei.

Auch in kleineren Städten gab es vielfältige Aktionen: In Duisburg waren etwa 200 Menschen beteiligt, ebenso in Erfurt. In Cottbus kamen rund 100 Personen zusammen. Zudem gab es vielerorts kleinere Gedenk-Aktionen wie Straßenumbenennungen in Offenbach rund um den Wilhelms- und Goetheplatz, ebenso in Berlin-Neukölln.


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