Am 19. Februar ermordete ein 43-Jähriger in Hanau 9 Menschen aus rassistischen Motiven. Dass Bundeskriminalamt sah in seinem Abschlussbericht in ihm keinen „rechten Täter“. Nun wurde bekannt, dass er im Internet sich darum bemühte, Uniformen und Orden von Hitlers Waffen-SS zu beschaffen.

Seit über einem Jahr streiten die Angehörigen der Ermordeten von Hanau für Anerkennung, Aufklärung und Konsequenzen. Dabei geht es insbesondere um die Frage, ob der Attentäter in Nazi-Netzwerke eingebunden war. Laut einer Anfrage der Grünen-Fraktion im Bundestag ist die Bundesregierung bei der Aufklärung dessen noch nicht weit gekommen.

In der Antwort erklärte die Bundesregierung, dass nach derzeitigem Ermittlungsstand „keine Erkenntnisse zu einer Einbindung des verstorbenen Tatverdächtigen in rechtsextreme oder rechtsterroristische Strukturen“ vorlägen.

Tobias R. habe zwar „rechtsextreme“ und „verschwörungsideologische“ Videos auf Youtube konsumiert, sich jedoch nicht auf sozialen Netzwerken oder rechten Chats vernetzt.

Dabei ist zumindest bekannt, dass er eine Spende aus dem Internet erhielt. Auch das Verhalten des Vaters von Tobias R. nach dem Anschlag lässt darauf schließen, dass sein Sohn zumindest eine gemeinsame faschistische Ideologie mit ihm teilte. Der Vater nannte die Opfer von Hanau „Täter“ und bezeichnete das Gedenken an die Opfer als „Volksverhetzung“. Doch die Bundesanwaltschaft sah bei ihm kein strafbares Verhalten und ermittelte auch nicht wegen „psychischer Beihilfe“ gegen ihn.

Nun ist durch die Anfrage zudem bekannt geworden, dass Tobias R. sich vor April 2019 im Internet nach Uniformen von Hitlers Waffen-SS und Orden der SS umgesehen hatte. Ein klares Indiz für seine Verherrlichung des Hitler-Faschismus‘.

In einem ersten Abschlussbericht hatte das Bundeskriminalamt noch geleugnet, dass es sich bei dem Hanau-Attentäter um einen „rechten Täter“ handele. Zweifelsohne sei es eine „rechte Tat“, so das BKA damals, aber das mache noch lange keinen rechten Täter. Er sei lediglich psychisch krank gewesen und Verschwörungstheorien aufgesessen. Aus Kalkül habe er Migrant:innen ermordet in der Absicht, damit größtmögliche Aufmerksamkeit für sein Weltbild zu erlangen.

Dass er nicht rechtsextrem sei, könne man an mehreren Tatsachen erkennen: so habe er in einer Fußballmannschaft gemeinsam mit Migranten gespielt und habe auch einem „dunkelhäutigen“ Nachbarn geholfen.

Erst im Februar 2021 musste BKA-Präsident Holger Münch dann klarstellen: „Das BKA bewertet die Tat als eindeutig rechtsextremistisch. Die Tatbegehung beruhte auf rassistischen Motiven“.


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