Der „Kreuzweg für die Schöpfung“ ist eine Wanderung von Naturschützer:innen mit christlichem Hintergrund. Auf ihrem Weg vom Atommüllager Gorleben zum Braunkohle-Tagebau in Garzweiler erlebten die Aktivist:innen unangemessene Polizeigewalt.

Die Teilnehmer:innen des „Kreuzwegs für die Schöpfung“ verstehen sich selbst als Pilger:innen mit der Aufgabe, die Umwelt und Natur zu schützen. Der Kreuzweg stellt sich in eine lange Tradition, denn seit 1988 gab es die erste Wanderung von Wackersdorf nach Gorleben. Alle Inititator:innen sind die Mahnwache Lützerath, das Gorlebener Gebet, die Bürger:innen-initiative Lüchow-Dannenberg sowie das Bündnis „Alle Dörfer bleiben“. Auch die christliche Initiative „Die Kirche(n) im Dorf lassen“ ist beteiligt, denn RWE kaufte nach und nach die Kirchen um den Tagebau auf, um sie entwidmen zu lassen und die Grundstücke dem Braunkohle-Raubbau freizugeben.

Eine Raststation der Pilgerstrecke sollte Schloß Oberwerries in Hamm sein. Neben dem Versorgungswagen erwartete die Aktivist:innen dort aber auch die Polizei mit dem Vorwurf, eine unangemeldete Versammlung illegal durchzuführen. Auf die Erklärung, dass es sich um eine religiöse Veranstaltung handele, die keinerlei Anmeldung bedürfe, reagierte die Polizei nicht. Stattdessen drohte sie an, eine Hundertschaft einzusetzen, um die rund ein Dutzend Pilger:innen zu räumen.

Andacht gegen Polizeigewalt

Die Aktivist:innen ließen sich zunächst nicht beirren und hielten in ihrer Pause eine Andacht. Anlass war das diesjährige Hungertuch (ein Tuch, das während der Fastenzeit aufgehängt wird). Das aktuelle Hungertuch wurde von der chilenischen Künstlerin Lilian Moreno Sánchez gestaltet. Es zeigt stilisiert den Fuß eines jungen Demonstranten, der bei einem Protest im vergangenen Jahr von der Polizei gebrochen wurde.

So war das Thema der Andacht gleichzeitig Protest für soziale Gerechtigkeit und gegen die Polizeigewalt, die ihr begegnet. Außerdem spannten die Pilger:innen ein Transparent aus mit der Aufschrift: „Diese Wirtschaft tötet“ – ein Zitat von Papst Franziskus. Sowohl das Hungertuch als auch das Papst-Zitat seien eindeutig politisch, nicht religiös, so die Polizei, und müssten entfernt werden.

Zugriff endet im Krankenhaus

Letztlich separierten die Polizist:innen einen der Teilnehmer:innen und lösten die Zusammenkunft mit Gewalt auf. Während dessen wurde eine teilnehmende Rentnerin so heftig auf den Boden gestoßen, dass später bei ärztlichen Untersuchungen ein Loch im Kopf festgestellt wurde.

Für die Dauer des Einsatzes verweigerten die Polizist:innen, die am Boden Liegende durch Sanitäter:innen versorgen zu lassen. Eine teilnehmende Altenpflegerin und der Partner der Verletzten leisteten schließlich Erste Hilfe. Die Polizei durchsuchte noch ein Fahrzeug und beschlagnahmte ein Handy, bevor sie den Einsatz beendete. Für die Pilger:innen wurde das Verbot ausgesprochen, ihre Transparente und das Hungertuch zu tragen.


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