Die deutsche Wirtschaft wird die Wirtschaftskrise und Corona-Pandemie wohl wirtschaftlich besser überstehen, als andere Länder. Die Zahl der Langzeiterwerbslose steigt allerdings rasant an. Für sie gibt es immer schlechtere Aussichten auf dem Arbeitsmarkt.

Seit Beginn der Pandemie und Wirtschaftskrise ist die Zahl der Langzeiterwerbslosen auf über eine Million Menschen gestiegen. Das ist ein Anstieg von über 47 Prozent. Doch auch schon vor der Krise stiegen die Zahlen unaufhörlich nach oben, während gleichzeitig die Politiker:innen der CDU von einer Vollbeschäftigung im Jahr 2025 in Deutschland träumten.

So gingen im Jahr 2007 die Erwerbslosenzahlen beispielsweise in Sachsen von 151.600 bis zum Jahr 2019 auf 39.200 Langzeiterwerbslose zurück, nahm allerdings dann wieder sprunghaft zu. So stieg innerhalb eines Jahres die Zahl der Erwerbslosen Menschen auf 52.600 (44%) an. Grund hierfür sind unter anderem die Schließungen mehrerer größerer Fabriken, wie beispielweise die Haribo-Fabrik in Haßlau.

Schon damals beschrieb der sächsische Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) die Schließung der Fabrik wie folgt: „Es zeigt sich leider erneut, dass der Osten offenbar jahrelang nur die verlängerte und preiswerte Werkbank von Westunternehmen ist und beim kleinsten wirtschaftlichen Gegenwind hier die Segel gestrichen werden, ohne Rücksicht auf Verluste.“

Psychische Folgen für Betroffene

Die Wirtschaftskrise und die Erwerbslosigkeit drängt die Menschen nicht nur in ökonomische, sondern auch in damit verbundene psychische Probleme. Verdrängung aus dem sozialen und gesellschaftlichen Leben führen zu Vereinsamung und Perspektivlosigkeit.

Hierbei spielt auch das Jobcenter eine große Rolle: während der Pandemie ist es kaum möglich einen persönlichen Ansprechpartner:in beim Jobcenter zur Seite zu bekommen. Lediglich ein „Team“ kümmert sich um die Belange. Gleichzeitig werden durch die Kontaktreduzierung Termine beim Jobcenter rar. Hierbei müssen Betroffene häufig zum Telefon greifen und lange Warteschlangen erdulden. Doch auch am Telefon wird in den seltensten Fällen wirklich geholfen, da hier nur mündliche und keine schriftlichen Verträge geschlossen werden können.

Die Liste ist lang. Fakt ist, dass die Kontaktbeschränkungen Betroffene von Langzeiterwerbslosigkeit immer weiter ins Abseits drängen und eine Wiederaufnahme am Arbeitsmarkt immer schwieriger wird. Durch immer weniger Angebote für Fachkräfte und den Ausbau von Zeitarbeitsfirmen nehmen auch die Sanktionen drastisch zu, sollten schlechte Jobs nicht angenommen werden.


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