In der argentinischen Militärdiktatur 1976 – 1983 wurden tausende Menschen verschleppt, darunter auch viele Kinder und Säuglinge. Seitdem fordern die „Großmütter vom Plaza de Mayo“ Gerechtigkeit und suchen weiter nach ihren Kindern und Enkelkindern. Nun starten sie eine neue Kampagne.

Während der Militärdiktatur verschwanden circa 30.000 Menschen. Mit der Verschleppung und Ermordung von Menschen wollten die Militärs ihre Ziele erreichen. Damals reichte schon die kleinste Kritik, um festgenommen zu werden.

In dieser Zeit gründeten sich auch die „Mütter des Plaza de Mayo“ um nach ihren vermissten Kindern zu suchen. Heute wird ihr Kampf vom den „Großmüttern des Plaza de Mayo“ fortgesetzt, sie befinden sich zum Teil immer noch auf der Suche nach ihren Kindern und Enkelkindern.

Schwangere Frauen wurden in der Militärdiktatur oft bis zur Geburt am Leben gelassen und nach der Entbindung ermordet. Die Babys wurden dann kinderlosen Militärs überlassen. Man schätzt heute, das so ca. 400 Kinder illegal adoptiert wurden. Einige Frauen wurde aber auch noch schwanger ermordet. Das konnte man bei der Untersuchung von Massengräbern herausfinden.

Die Frauen vom Plaza de Mayo blieben nicht ohne Erfolg: Bislang konnten sie knapp 130 Vermisste ausfindig machen – auch mit Hilfe der Bevölkerung. Damals machten sie mit verschiedenen Aktionen auf die Vermissten aufmerksam. Wer etwas wusste, rief anonym bei den Großmüttern an und half bei der Suche.

Eine Großmutter sagt: „Wir Angehörigen von Entführten, die dann später ‚Desaparecidos‘ [Verschwundene] genannt wurden, wussten zunächst nicht, was wir tun sollten. Wir hatten Angst. Und wir hatten ja weiterhin unsere Familien zu versorgen. Aber wir waren bereit, uns auf die Suche zu machen. Wir blieben nicht ruhig. Wir hörten auf zu arbeiten, schlugen stattdessen an die Türen und fragten, wo unsere Kinder sind. Ohne Antworten zu bekommen.“

Jetzt rufen die Großmütter zu einer neuen Kampagne auf, die daran erinnern soll, dass viele Fälle immer noch nicht aufgeklärt sind. Die Gesellschaft soll bei sich selbst in der Historie nach verdächtigen Adoptionsfällen suchen. Wer selbst Zweifel an seinem:ihrem Ursprung hat, soll sich bei den Großmüttern melden.

Das ist nicht die einzige Bewegung dieser Art auf der Welt. In der Türkei gibt es die „Samstagsmütter“. Auch dort ist es Alltag, dass die türkische Regierung Menschen verschwinden lässt. Seit vielen Jahren gehen dort die Angehörigen der Vermissten jede Woche auf die Straße. Wie die Großmütter aus Argentinien wollen auch sie wissen, was mit ihren Angehörigen passiert ist.


Wir schreiben für Perspektive – ehrenamtlich und aus Überzeugung. Wir schalten keine Werbung und nehmen kein Geld von Staat oder Konzernen an. Hilf' uns dabei, unseren unabhängigen Journalismus zu erweitern: mit einer einmaligen Spende, einem regelmäßigen Beitrag bei Paypal, Steady oder am besten als Mitglied in unserem Förderverein.