Im ganzen Bundesgebiet sind heute hunderttausende Menschen auf die Straße gegangen, viele davon Schülerinnen und Schüler. Beim „Klimastreik“ protestierten sie für Klimagerechtigkeit und wirksame Maßnahmen gegen den Klimawandel. Vielfach versuchten Parteien die Demonstrationen für ihren Wahlkampf zu nutzen, es gab aber auch antikapitalistische Kritik.

Wie die Klimaschutzbewegung Fridays for Future (FFF) auf Twitter mitteilte, waren am heutigen „Klimastreik“ über 620.000 Menschen auf der Straße.  Laut Angaben von Fridays for Future Berlin versammelten sich über 100.000 Menschen vor dem Bundestag. In München demonstrierten zudem 30.000 Menschen, in Köln 25.000 und in Freiburg rund 12.000 Personen. Insgesamt sollen Aktionen an 472 Orten stattgefunden haben.

In einem ersten Statement von FFF hieß es: „Echte Klimagerechtigkeit steht auf keinem Wahlzettel – sie wird auf der Straße erkämpft.“

Zugleich war der Klimastreik vielerorts klar von Wahlkampf geprägt. So lautete das Fornttransparent in Freiburg „Klimakatastrophe abwählen“. Auch der Aufruf von FFF hatte die Wahl zur „Schicksalswahl“ über das Klima erklärt.

Auf Twitter erklärte der SPD-Abgeordnete Karl Lauterbacht er würde bei der Demonstration in Köln mitlaufen: „Die Ziele des Klimastreiks sind ohne Alternative“. Auch SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz schrieb, „Dass heute Klimastreik ist, ist richtig!“.

Dies brachte ihm einen digitalen Tiefschlag des Twitteraccounts von „Fridays for Future Germany“ ein: „Wir wollen die gute Stimmung ja nicht zerstören – aber wir bestreiken heute DEINE Regierung, Olaf“, hieß es dort heute.

Neben Wahlkampf war in vielen Städten auch antikapitalistische Kritik zu hören. Gegenüber Perspektive Online erklärte dazu Jonas Wels von der Internationalen Jugend Freiburg: „Es ist notwendig, dass der Widerstand gegen die Zerstörung unserer Umwelt weitergeht. Er kann jedoch nur erfolgreich sein, wenn er sich gegen den Kapitalismus richtet und sich nicht auf Stellvertreter wie die Grünen verlässt. Das ist nur möglich wenn sich Jugendliche und Arbeiterinnen organisieren und für ein nachhaltiges und demokratisches Wirtschaftssystem kämpfen.“

Vielerorts gab es antikapitalistische Blöcke, so in Berlin, München und Karlsruhe. In Stuttgart wurde ein Transparent mit der Aufschrift „Es gibt keinen grünen Kapitalismus“ entrollt.

Während der Corona-Pandemie war die FFF-Bewegung vielerorts geschrumpft. Nun hat sie sich mit einer erneuten starken Mobilisierung zurückgemeldet.


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