Am 28. September war der sogenannte „Safe Abortion Day“ (dt. Tag der sicheren Schwangerschaftsabbrüche) an diesem Tag gehen international Menschen, insbesondere jedoch Frauen, auf die Straße um für sichere Schwangerschaftsabbrüche zu kämpfen. In diesem Bericht betrachten wir so wohl die Gesetzeslage als auch den Widerstand international.

Deutschland:

In Deutschland sind Schwangerschaftsabbrüche nach §218 StGB eine Straftat und nur unter bestimmten Bedingungen straffrei. Das ist eine traurige Tatsache, die im Diskurs zum Thema Schwangerschaftsabbrüche häufig verloren geht. Auch hier müssen Frauen und Gebärende noch für die Selbstbestimmung über ihren Körper kämpfen.

Statt sich zu verbessern wird die medizinische Versorgungssituation in Deutschland seit einige Jahren immer kritischer, da immer weniger Ärzt:innen Schwangerschaftsabbrüche durchführen. Das liegt zum einen an der schwierigen rechtlichen Situation und zum anderen daran, dass sie zunehmend durch Abtreibungsgegner:innen angegriffen werden.

Besonders in ländlichen Regionen bedeutet der Ärzt:innen Schwund, dass Praxen fehlen um die Abbrüche durchzuführen. Um diesem Umstand Abhilfe zu schaffen hat sich die Initiative „Schwangerschaftsabbruch Zuhause“ gegründet, die Frauen im legalen Rahmen ermöglichen möchte ihre Abbrüche zu Hause durchzuführen. Dass Initiativen wie diese notwendig sind, zeigt wie ernst die Lage ist und wie vielen der Zugang zu einem medizinischen und sicheren Abbruch verwehrt bleibt.

Zusätzlich dazu fehlt Ärzt:innen die Möglichkeit auf ihren Websiten ausführlich über Schwangerschaftsabbrüche zu informieren. In der Vergangenheit versuchten Ärzt:innen ihre Patient:innen zu informieren in dem sie auf ihrer Website ihre Methoden zum Schwangerschaftsabbruch aufschlüsselten, doch das wurde ihnen nach dem Paragrafen 219a StGB schnell zum Verhängnis.

Dieser Paragraf verbietet das Werben für Schwangerschaftsabbrüche und wie die Urteile der Gerichte zeigen eben auch das Informieren. Die § 218, § 219 und § 219a verhindern, dass Frauen und Gebärende selbst über ihren Körper bestimmen können. Sie erschweren die medizinische Behandlung und Grenzen die Möglichkeiten an verifizierte Informationen zu gelangen ein. Sie gehören aus dem Strafgesetzbuch gestrichen und das eigentlich schon gestern. Dafür sind Frauen in über 60 Städten in Deutschland gestern auf die Straßen gegangen.

Die Aktionen waren vielfältig und kreativ in den verschiedenen Städten gab es zum Beispiel Laufdemonstrationen, Stände, Stadtspaziergänge, Theaterstücke, Ausstellungen, Podiumsdiskussionen und Kundgebungen.

Europa

Die Europäische Union spielt sich gerne als feministischer Vorreiter auf, doch der gestern veröffentlichte „Europäische Atlas der Abtreibungsrichtlinien“ zeigt: Fast ein Drittel der europäischen Ländern hat Probleme beim Zugang zu Schwangerschaftsabbruchsleistungen und einige Frauen werden sogar gezwungen, gegen ihren Willen schwanger zu werden.

Der Atlas liefert eine Analyse der Abbruchspolitik in ganz Europa, dabei bewertet er Länder und Gebiete nach ihren rechtlichen Rahmenbedingungen für den Zugang zu sicheren Schwangerschaftsabbrüchen. 38 von ihnen werden von „mittel“ bis „außergewöhnlich schlecht“ bewertet.

In Polen 2020 wurde der Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen durch ein Urteil des Verfassungsgerichts weiter eingeschränkt. Das Urteil illegalisierte Abbrüche selbst dann wenn „schwere und irreversible fetale Defekte oder unheilbarer Krankheit, das Leben des Fötus bedrohen“. Millionen polnischer Bürger:innen nahmen an den sogenannten „Schwarzen Protesten“ gegen das Gesetz teil.

Malta ist der einzige EU-Mitgliedsstaat mit einem vollständigen Schwangerschaftsabbruchsverbot.

USA

Die medizinische Versorgungssituation im Bereich der Schwangerschaftsabbrüche in den USA ist miserabel. Es existieren sechs Bundesstaaten in denen jeweils nur eine Klinik für Abbrüche zuständig ist, 27 US-Großstädte und große Teile des ländlichen Raums gelten als „Abbruchs-Wüsten“. Innerhalb dieser lebt ein Großteil der Menschen mehr als 160 Kilometer von einer Ärzt:in, die Abbrüche anbietet, entfernt.

Das Recht auf Abtreibungen ist hart umkämpft, eines der jüngsten Beispiele dafür ist der texanische „Heartbeat Bill“. Anfang September wurde das Gesetz im US-Bundesstaat Texas verabschiedet, es verbietet jegliche Abtreibungen, so bald Herzschlag des Fötus festgestellt werden kann.

In den meisten Fällen ist dieser nach etwa sechs Wochen zu hören, diese Regelung macht für viele einen Schwangerschaftsabbruch unmöglich. In Georgia, Ohio, Kentucky, Mississippi und Louisiana ist der Abbruch ebenfalls nach sechs Woche verboten, steht aber nicht in Zusammenhang mit dem Herzschlag. Das härteste Gesetz gilt bis jetzt in Alabama dort sind Abbrüche ab dem Zeitpunkt an dem bekannt ist, dass die Frau schwanger ist, verboten.

Südamerika

Viele der mehr als 20 lateinamerikanischen Staaten verbieten Schwangerschaftsabbrüche komplett. Jedes Jahr sterben tausende Frauen an den Folgen. Gestern demonstrierten Frauen aus allen Regionen und Ländern Südamerikas gegen die strengen Schwangerschaftsabbruchsgesetze.

El Salvadore: El Salvador hat eines der strengsten Schwangerschaftsabbruchs-Gesetze der Welt, einige Frauen wurden zu bis zu 40 Jahre Gefängnis verurteilt weil sie sich dem Verbot widersetzten. In Salvador demonstrieren gestern dutzenden Menschen mit Bannern, auf denen „Es ist unser Recht, sich zu entscheiden“ stand. Sie forderten eine Lockerungen des Gesetzes, das Abbrüche selbst bei Vergewaltigungen und der Gefährdung des Lebens der Mutter verbietet.

Mexiko: „Ich weiß noch nicht, ob ich eine Mutter sein möchte, aber ich möchte das Recht haben, mich zu entscheiden,“ steht auf dem Schild einer jungen Frau. Gestern marschierten tausende Frauen durch das historische Zentrum von Mexiko-City begleitet von unzähligen Polizeibeamten.

Bei der Demonstration kam es immer wieder zu Auseinandersetzung zwischen Polizei und Demonstrant:innen. Es wurden mindestens 37 Personen verletzt. Auch in anderen Städten in Mexiko gingen Frauen auf die Straße. So unter anderem in den Städten Cuernavaca und Veracruz.

Als Reaktion auf den Jahrelang anhaltenden Druck der Bevölkerung erklärte der Oberste Gerichtshof Mexiko, es sei verfassungswidrig Schwangerschaftsabbrüche zu verbieten. Kurz danach gab die Regierung bekannt, dass diejenigen, die auf Grund eines Abbruchs im Gefängnis sitzen frei kommen.

Kolumbien: In Kolumbien sind Abbrüche nur dann erlaubt, wenn das Leben der Mutter in Gefahr ist oder das Kind mit schweren gesundheitlichen Probleme zur Welt kommen würde. Hier demonstrierten rund 800 Frauen in Richtung Zentrum von Bogotá.

„Wir Frauen erinnern Staaten und Gesellschaften daran, dass wir keine Bürgerinnen zweiter Klasse sind, und dass wir ein Recht auf Abbruch haben, darauf freiwillig die Schwangerschaft zu unterbrechen, um über unseren Körper, unser Leben und unsere Mutterschaftsstationen zu entscheiden“ sagte Ita Maria Diez, ein Anführerin der Bogotá-Demonstration.

Chile: Auch in Chile wurde eine Demonstration abgehalten. Am gleichen Tag hat ein Gesetzesentwurf das Parlament passiert, der vorsieht, die Abbruchs-Gesetze zu lockern. In Zukunft sollen Abbrüche bis zur 14. Schwangerschaftswoche entkriminalisiert werden.

Afrika

Sub-Sahara-Afrika: In den 54 Ländern in dieser Region sind Gesetze zum Schwangerschaftsabbrüchen besonders restriktiv entweder sind sie ganz verboten oder nur unter ganz bestimmten Umständen wie bspw. Gefährdung des Lebens der Mutter erlaubt. Im Jahr 2019 leben 92% der Frauen im gebärfähigen Altern in den 43 Ländern mit hoch- oder mäßig restriktiven Gesetzen. In Subsahara-Afrika sind Abbrüche riskanter als in jeder anderen Region auf der Welt:

Von 2010 bis 2014 waren 77 % der Abbrüche in der Region unsicher, verglichen mit dem weltweiten Durchschnitt von 45 %. Das sind etwa 6,2 Millionen unsichere Schwangerschaftsabbrüche pro Jahr, diese fordern häufig einen hohen Tribut von den Betroffenen.

In Afrika kommt es immer wieder zu Protesten gegen die harte Abbruchspolitik, zum „Safe Abortion Day“ ist leider nichts bekannt.

Asien

In den bevölkerungsreichsten Ländern China und Indien sind Schwangerschaftsabbrüche weitestgehend legal. In siebzehn asiatischen Ländern ist der Schwangerschaftsabbruch ohne Begründung erlaubt, mit Ausnahme von China, Nordkorea und Vietnam, gelten jedoch in allen unterschiedliche Regulierungsmaßnahmen, die es erschweren einen Abbruch legal durchzuführen. In drei Ländern ist der Abbruch einer Schwangerschaft komplett verboten: Irak, Laos und Philippinen.

In Asien waren im Jahr 2014 rund 6% aller Müttersterblichkeistfälle (etwa 5.400) auf einen unsicheren Schwangerschaftsabbrüche zurück zu führen. Der Anteil der unter unsicheren Bedingungen durchgeführten Abbrüche in Asien ist nicht bekannt, klar ist jedoch, dass jedes Jahr circa 4,6 Millionen Frauen (ohne Ostasien) wegen Komplikationen einer unsicheren Abtreibung behandelt werden.

 


Wir schreiben für Perspektive – ehrenamtlich und aus Überzeugung. Wir schalten keine Werbung und nehmen kein Geld von Staat oder Konzernen an. Hilf' uns dabei, unseren unabhängigen Journalismus zu erweitern: mit einer einmaligen Spende, einem regelmäßigen Beitrag bei Paypal, Steady oder am besten als Mitglied in unserem Förderverein.