In der Pandemie haben tausende Pfleger:innen den Beruf gewechselt. Schon vorher war der Mangel an Fachkräften in Krankenhäusern und Pflegeheimen oder dem ambulanten Pflegedienst ein viel diskutiertes gesellschaftliches Problem. Änderungswillen scheint es nicht zu geben.

Etwa 9.000 Pflegekräfte hätten seit Beginn der Pandemie in Deutschland im März 2020 bis zum Frühjahr 2021 gekündigt, sagt Anja Piel vom DGB gegenüber der Tagesschau. Als Gründe gibt sie ständige Überlastung, Personalmangel, Gefährdung der eigenen Gesundheit oder der Familie an.

Selbst den Politiker:innen, die sich für eine Verbesserung der Situation der Pflegekräfte aussprechen, fällt aber für diese Probleme scheinbar keine kurzfristige Lösung ein. Wenigstens Dietmar Bartsch von der Linkspartei sprach sich für eine Gehaltssteigerung um 500 € + Inflationsausgleich aus.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamts ist das durchschnittliche Einkommen von Pflegekräften der Leistungsgruppe 3 im zweiten Quartal 2021 lediglich um 241 Euro durchschnittlich auf 3.898 Euro gestiegen – eine Erhöhung über zwei Jahre von etwa 6,6%. Sie dürfte kaum ausgereicht haben, um die Steigerung der Lebenshaltungskosten vieler Pfleger:innen auszugleichen.

Tatsächlich hat die Pandemie das Problem nicht etwa ausgelöst, sondern nur verstärkt: schon vor Beginn der Pandemie errechneten unterschiedliche Studien einen deutschlandweiten Mangel an Pflegekräften in Höhe mehrerer hundertausend Stellen.

Inmitten der vierten Corona-Welle mit Rekord-Infektionszahlen hat das Einsatz-Volumen auf den Erwachsenen-Intensivstationen einen neuen Negativrekord erreicht. So meldeten Anfang der Woche nur noch ein Viertel der Erwachsenen-Intensivstationen regulären Betrieb. In etwa 70% der Fälle wird dies mit Personalmangel begründet.

Der FDP-Politiker Kubicki dachte bereits laut über die Aktivierung der sogenannten „Notfall-Reserve“ nach, mit der 10.000 weitere Intensiv-Betten innerhalb kurzer Zeit zur Verfügung gestellt werden sollen.

Der Vorschlag stieß jedoch auf heftige Kritik. Denn erstens bedeutet er konkret, dass Betten, die momentan zum Beispiel in Aufwachräumen zum Einsatz kommen, als Intensiv-Betten genutzt werden, was bedeutet, dass zum Beispiel Operationen abgesagt werden müssen.

Zweitens ist der Mangel an Intensiv-Pflegekräften damit nicht gelöst, denn diese wären ja weiterhin und mindestens genau so notwendig, um eine intensiv-medizinische Betreuung zu gewährleisten.


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