In Hamburg-Steilshoop befinden sich Wohnungen über dem EKZ Steilshoop offenbar in einem äußerst schlechten Zustand. Das Solidaritätsnetzwerk Hamburg unterstützt die Anwohner:innen bei der Organisierung von Protest gegen diese Zustände.

Julian drückt auf die Klingel. Nichts passiert. „Ah, funktioniert auch nicht.“ stellt er fest und klopft beherzt an.

Den Wohnungen im Schreyerring in Hamburg-Steilshoop ist anzumerken, dass die Eigentümer wohl so manche notwendige Reparatur nicht vornehmen lassen.

Aber die Bewohner:innen haben weit größere Probleme als nicht funktionierende Haustürklingeln. Deshalb geht der Student gemeinsam mit zwei weiteren Aktivisten und zwei Nachbarn von Tür zu Tür.

Diesmal öffnet eine Frau mit einem Kind im Arm und zwei weiteren zu ihren Füßen. Auf Türkisch erklärt Bechir (Name von der Redaktion geändert), ein syrischer Kurde, dass in seiner Wohnung wochenlang Wasser von der Decke getropft ist und der Vermieter nichts unternommen habe. Er wolle mal wissen, wie es bei den Nachbarn aussieht und ob man sich nicht zusammentun könne, um die Probleme im Haus anzugehen.

In ihrer Wohnung gäbe es keine Probleme sagt die Frau. Aber die Unterschriftenliste, auf der die Bewohner:innen fordern, dass alle Schäden schnellstmöglich beseitigt werden, unterschreibt sie gerne.

Solche Gespräche gibt es an diesem Samstagnachmittag viele. Einige Nachbarn erklären sich zwar bereit über die Zustände zu sprechen, wenn irgendjemand kommt und fragt, aber unterschreiben wollen sie nichts. Viele haben Angst, glaubt Bechir.

Auch eine muttersprachlich deutsch sprechende Nachbarin öffnet den Aktivisten vom Solidaritätsnetzwerk die Tür und bittet sie hinein. Sie berichtet, dass auch bei ihr der Wasserschaden ganz massive Auswirkungen hatte, ihre ganze Wohnung stand unter Wasser.

Sie aber könnte nicht klagen, die Hausverwaltung habe sich schnell um alles gekümmert und einen Ersatzschrank für den zerstörten Schlafzimmerschrank besorgt. Dass es anderen Nachbar:innen aber nicht so gut ergangen ist, empört sie sichtlich: „Frechheit!“

Doch es gibt offenbar noch andere Probleme außer dem Wasserschaden, eine weitere Familie berichtet, dass bei ihnen die Toilette seit längerem nicht richtig funktioniere und ein anderer Nachbar fügt hinzu, dass der Flur überhaupt nicht belüftet werden kann und dementsprechend stinkt.

Die Miete scheint ihm für die Lage in Hamburg-Steilshoop mit 740 Euro im Monat doch außerordentlich hoch zu sein – besonders für Wohnungen in diesem Zustand.

Am nächsten Tag veröffentlicht das Solidaritätsnetzwerk ein Video, indem die Bewohner:innen zu Wort kommen – auch die gesammelten Unterschriften werden eingeblendet.

Frau Heiberg, die neue Eigentümerin der Wohnungen und des darunter liegenden Einkaufszentrums, äußerte sich gegenüber Perspektive zum Video.

Sie sei sich bewusst, dass der vorherige Eigentümer die Gebäude nicht so instand gehalten habe, wie er es hätte tun müssen, sie selbst habe erst vor wenigen Tagen am 6. November den letzten Vertrag mit dem vorherigen Eigentümer unterschrieben, um den Vermieter Fortuna Immobilien vollständig zu übernehmen.

Selbstverständlich benötige das Gebäude eine vollständige Sanierung, aber dies sei nicht von heute auf morgen umsetzbar. Hierfür sei etwas Zeit und Planung notwendig, sie sei sich aber sicher, dass die Mieter:innen bereits spüren könnten, dass sich etwas verändern wird und stünde für Gespräche jederzeit bereit.

Die Mieter:innen seien aber vertraglich verpflichtet, sich selbst gegen Wasserschäden zu versichern, wenn die Mieter:innen das nicht getan hätten, sei das ihr Problem. Die Mieter:innen aus dem Video kenne sie nicht.

Das Solidaritätsnetzwerk fordert nun jedenfalls gemeinsam mit den Bewohner:innen, dass alle notwendigen Reparaturen sofort vorgenommen werden und auch, dass diejenigen, bei denen wertvolle Möbel durch den wochenlangen Wasserschaden zerstört wurden, angemessen entschädigt werden.

Am 20.11. will man den Forderungen bei einer Kundgebung vor dem Gebäude Nachdruck verleihen.

 

 


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