Durch die langen Präsenz-Ausfälle und fehlende Ausstattung kam es bei vielen Schüler:innen zu großen Lernrückständen. Um dagegen zu wirken, wurde Mitte 2021 ein milliardenschweres „Aufholprogramm“ beschlossen. Die erste Bilanz dieses Programms sieht allerdings nicht gut aus.

Es wird geschätzt, dass zwischen 20-25 Prozent der Schüler:innen große Lernrückstände durch die Corona-Pandemie haben. Besonders schwer hatten es die Kinder, die aus ärmeren Verhältnissen kommen. Viele haben zuhause kein eigenes, ruhiges Zimmer zum Lernen, keinen eigenen vernünftigen Laptop oder Eltern, die ihnen bei den technischen Aspekten oder den Hausaufgaben helfen konnten.

Und genau diese Kinder, die die Hilfe durch das Corona-Aufholprogramm am ehesten bräuchten, bekommen sie nicht. Man kann zwar aufgrund der unterschiedlichen Maßnahmen der Bundesländer im Rahmen dieses Programms keine pauschale Auswertung geben, mehrheitlich melden jedoch die Lehrer:innen-Verbände, etwa die GEW, zurück, dass die Maßnahmen lange nicht so effektiv sind wie geplant.

Maike Finnern, die Vorsitzende der GEW, kritisiert dabei, dass die Gelder meist in außerschulische Förderprojekte fließen und nicht in den Schulen selbst verwendet werden. Das führe dazu, dass nur diejenigen Kinder einen Zugang zu der Förderung haben, deren Eltern sich auch darum kümmern, dass ihre Sprösslinge an außerschulischen Projekten teilnehmen können. Diejenigen, die genau hier die erforderliche elterliche Unterstützung aus den verschiedensten Gründen nicht haben, erreicht diese Förderung dadurch eben nicht.

Corona-Hilfsgelder kommen an Berliner Schulen nicht an

Damit leistet dieses zwei Milliarden Euro teure Programm keinen Beitrag zur Behebung der großen Chancenungleichheit, die es auch schon vor der Pandemie gab. Teilweise dauert es aufgrund des bürokratischen Vergabeprozesses sehr lange, bis die Gelder überhaupt in den Schulen ankommen. So wurden z.B. in Berlin den Schulen insgesamt 64 Millionen Euro bereitgestellt, bisher sind aber nur circa 14 Millionen überhaupt angekommen.

Der Personalmangel an Schulen erschwert das Aufholprogramm noch zusätzlich. Einige Schulen sind dadurch gar nicht erst in der Lage, Nachholprogramme aufzusetzen. Politiker:innen gehen deshalb davon aus, dass die Bewältigung der Corona-Folgen für viele Schüler:innen noch Jahre dauern wird – sowohl was die Lernrückstände, als auch die psychologischen Folgen der Pandemie betrifft.


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