`
Dienstag, März 5, 2024
More

    Italien: Proteste nach Tod eines Schülers im Praktikum

    Teilen

    In Italien ist der 18-jährige Lorenzo Parelli während eines Schülerpraktikums ums Leben gekommen. Neben einer Welle von Schulbesetzungen haben  nun auch Basisgewerkschaften einen Aktionstag angekündigt.

    Es war der letzte Tag seines Schulpraktikums bei der Maschinenbaufirma Burimec in Udine, der 21. Januar 2022. An diesem Tag starb Lorenzo Parelli bei einem „Arbeitsunfall“ – erschlagen von einem Stahlträger. Gegen seinen Chef wird inzwischen von der Staatsanwaltschaft wegen Totschlags ermittelt.

    Das Praktikum musste Lorenzo im Zuge des Programms „Alternanza – Scuola – Lavoro“ (Schule und Arbeit im Wechsel) absolvieren, das in Italien 2015 im Zuge einer Bildungsreform eingeführt wurde. Dabei wechseln sich Schulzeit und unbezahlte Praktika ab.

    Proteste von Schüler:innen und Gewerkschaften

    Lorenzos Tod hat in Italien eine Protestwelle ausgelöst, vor allem unter den Schüler:innen. Die Proteste richten sich vor allem gegen den Kapitalist:innenverband Confindustria und die Partito Democratico, die die Reform maßgeblich zu verantworten haben. Auch zum Bildungsministerium zog eine Demonstration.

    Zudem gab es landesweit mehrere Tage in Folge Demonstrationen und Schulbesetzungen, bei denen auch klare Forderungen der Schüler:innen an ihre Schulen formuliert wurden. Auf den Straßen kam es gar zu Auseinandersetzungen mit der Polizei.

    Für den 28. Januar ruft nun die Basisgewerkschaft “Cobas Scuola” zu einem gemeinsamen Streiktag mit den Schüler:innen auf: für eine Abschaffung der „Alternanza – Scuola – Lavoro“ mit den unbezahlten Praktika, für kleinere Klassen und für mehr Personal an den Schulen.

    Was steckt hinter den Schulpraktika?

    Auch in Deutschland gibt es Schülerpraktika, allerdings eher als einmaliges Ereignis in der Schullaufbahn. Ansonsten sind hierzulande vor allem Studierende mit unbezahlten Praktika vertraut.

    Hinter den Praktika steckt weniger, wie man vielleicht vermuten könnte, die sinnvolle Verbindung von Unterricht und Arbeit, von Theorie und Praxis, sondern schlicht die Aussicht auf Profitmaximierung: Ist deine Arbeitskraft kostenlos, profitiert dein Chef stärker von ihr.

    Das ist auch der Grund, warum immer mehr Menschen in dieses entrechtete und nicht entlohnte Arbeitsverhältnis gedrängt werden – um unter dem Deckmantel der Bildung höhere Profite zu erwirtschaften.

    Der Tod von Lorenzo Parelli hat erneut gezeigt, wohin diese Ausbeutungsverhältnisse führen können. Doch er ist nicht der einzige. Jedes Jahr sterben in Italien 1.400 Arbeiter:innen im Betrieb.

    Mehr lesen

    Perspektive Online
    direkt auf dein Handy!

    Weitere News