Wenn Bauherren an der falschen Stelle aus Profitgier sparen, dann kann das schnell unangenehme bis tödliche Folgen für die Mieter:innen haben. Schimmel ist bekannt dafür, zahlreiche Krankheiten zu fördern. Werden die falschen Baumaterialien verwendet, kann aus einem kleinen Brand ein Inferno werden – wie jetzt in der Nacht von Sonntag auf Montag in Essen geschehen.

„Innerhalb von 20 Minuten stand das ganze Haus komplett in Flammen. Man hat das Gefühl, das ist ein Feuer-Inferno, in dem man sich hier befindet“, fasste der Anwohner Lennart Diertrich zusammen. 39 Wohnungen zerstörte das Feuer innerhalb kürzester Zeit. 150 Einsatzkräfte waren vor Ort, um das Feuer unter Kontrolle zu bringen. In Folge einer Rauchvergiftung mussten drei Mieter:innen ins Krankenhaus. Mittlerweile ist der 2015 fertiggestellte Wohnkomplex einsturzgefährdet und muss abgerissen werden. Das ist die Bilanz vom Großbrand beim Wohnungskonzern „Vivawest Wohnen GmbH“ im Essener Westviertel „Grüne Mitte“ in der Nacht auf den 21.02.22.

Immer häufiger werden günstige Baumaterialien verwendet

Trotz vieler Präventionen kann manchmal ein Wohnungsbrand nicht verhindert werden. Damit, wie in diesem Fall, allerdings nicht das ganze Haus in Flammen steht, sind Bauherren verpflichtet, bestimmte Baustoffe bei der Dämmung zu nutzen bzw. zu unterlassen. Beim jetzigen Brand wurde beobachtet, wie die Flammen sich ungewöhnlich schnell ausbreiteten.

„Das erinnert mich an das schreckliche Unglück im Grenfell-Tower in London, wo der Dämmstoff wie Zunder brannte. Kann es sein, dass auch hier in einem Neubau zum Dämmen billiges Material verwendet wurde? Das Feuer hat ja von einer Ecke auf den gesamten Komplex übergegriffen.“, erzählte ein 86-Jähriger. Beim damaligen Großbrand im Juni 2017 im Vereinigten Königreich wurde ein 24-stöckiges Hochhaus zur Brandruine. Grund hierfür war, dass die Dämmung nicht richtig montiert wurde und sich zwischen Dämmung und Fassade ein verheerender Luftstrom entwickeln konnte. 72 Menschen verloren dabei ihr Leben.

Profitgier vor Menschenleben

Auch Sachverständige vermuten in diesem Fall Pfusch. Ein Brandschutzexperte findet es sehr verwunderlich, dass das Feuer sich so enorm schnell über die Außenfassade verbreiten konnte. „Und der Putz brennt eher nicht.“, kommentierte er. Viele Anwohner:innen sahen, wie der an diesem Tag vorherrschende Sturm das Feuer regelrecht anpeitschte. „Das geht natürlich am ehesten, wenn es sich um eine Entwicklung außen am Gebäude handelt und nicht im Inneren. […] Die Decken sind selbst schon Brandschottungen, die eigentlich gar nicht ohne weiteres durchbrochen werden können, so dass ein Feuer meist in einem Zimmer gefangen bleibt“, so der Experte weiter.

Nach derzeitigem Kenntnisstand verloren über 100 Mieter:innen ihre Wohnung im Essener Universitätsviertel. Falls sich der Verdacht der Nutzung von minderwertigen Baustoffen erhärtet, haben diese Menschen ihr gesamtes Hab und Gut wegen der Profitgier kapitalistischer Wohnungskonzerne verloren.


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