Was haben Russland, Katar und die USA gemeinsam? Sie sind die potentiellen Gaslieferanten Deutschlands. Nebenan fördern die Niederlande selber Gas aus der Nordsee. – Ein Kommentar von Stefan Pausitz.

Es war ein undenkbares Szenario vor dem Angriffskriegs Russlands: Unglaublich viele mit Öl betriebene Frachter schwimmen derzeit zwischen den USA und Deutschland auf den Weltmeeren umher und transportieren Gas. Gas, das benötigt wird, um die deutsche Wirtschaft am Laufen zu halten und Millionen von Haushalten mit Wärme zu versorgen.

Schon vor den Bundestagswahlen im September 2021 warb die Grünenministerin, Annalena Bearbock, dafür, kein weiteres Gas aus Russland zu importieren und die noch im Bau befindliche Pipeline Nord Stream II nicht in Betrieb zu nehmen. Hintergrund war, dass das russische System unter Putin menschenverachtend sei und man dieses in die staatsmonopolistische Energiepolitik nicht einbeziehen dürfe. Als Alternative sollte, das schon erwähnte, gefrackte Gas aus den USA herhalten.

Mittlerweile steht der neue Deal unter Grünenumweltminister, Robert Habeck, fest: Katar soll für neue Gaslieferungen nach Deutschland beauftragt werden. Ein Deal, der aufzeigt, wie alternativlos und trist der Handel mit Rohstoffen ist. Es ist dürfte allerdings auch die neue Erkenntnis für die Grünen sein: fossile Rohstoffe erzeugen nicht nur CO², sondern sind auch nur begrenzt verfügbar.

Doch nun ist es so gut, wie offiziell, Nord Stream II wird nicht an das deutsche Gasnetz angeschlossen werden. Über jahrelange Planungen, Entschädigungen und Ausgaben sind hinfällig. Die zur Versorgung von der Ostsee zum Erzgebirge neu gebaute Landpipeline “European Gas Pipeline Link” (EUGAL) ist seit 2020 in Betrieb. Sie läuft aber nur auf Halbbetrieb, um sie überhaupt zu betreiben.

Damit diese Investitionen vielleicht doch noch fruchten können, wurde jetzt der Notfallplan für das Gas seitens der Bundesregierung ausgerufen. Dieser soll gewisse Abläufe beschleunigen. Beispielsweise wurden nun zwei Flüssiggas (LNG)-Terminals in Brunsbüttel genehmigt. Diese am Hafen befindlichen Terminals sollen das transportierte Flüssiggas speichern.

Das Armutszeugnis stellt sich damit die Regierung selber aus: Als Ausweichmannöver zum Rohstoffhandel mit Russland wird nun auf die arbeiter:innenfeindliche Monarchie in Katar getreten. Zeitgleich werden wieder Millionen Euro in die fossile Energie investiert, statt in den Ausbau und die Forschung zu umweltfreundlicher Energie.


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