Nach dem ersten Test einer atomwaffenfähigen Interkontinentalrakete seit 2017 durch Nordkorea kündigen die USA neue Sanktionen gegen das Land an. Der Raketentest verschärft die politische Situation in Ostasien und könnte auch die Spannungen zwischen Südkorea, Japan und China weiter anheizen.

Während die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit auf dem Krieg in der Ukraine liegt, verschärfen sich die Spannungen auch in Ostasien. Anlass hierfür ist der Test einer atomwaffenfähigen Interkontinentalrakete durch Nordkorea am Donnerstagmorgen. Nach Angaben der staatlichen nordkoreanischen Nachrichtenagentur KCNA wurde die Rakete vom Typ “Hwasong-17” am internationalen Flughafen von Pjöngjang gestartet und sei innerhalb einer Stunde etwa 1.100 Kilometer weit geflogen. Dabei habe sie eine Flughöhe von über 6.000 Kilometern erreicht.

Schon bei den Tests des Vorgängersystems “Hwasong-15” hatten Militärexperten die Einschätzung abgegeben, Nordkorea könne mit seinen Interkontinentalraketen das gesamte Festland der USA erreichen. Los Angeles etwa liegt von Pjöngjang gut 9.500 Kilometer entfernt.

Es handelt sich um den ersten Test einer Interkontinentalrakete durch Nordkorea seit 2017. Bisher hatte das Land auf neue Tests dieser Art verzichtet, nachdem es 2018 Verhandlungen mit der südkoreanischen Regierung unter Moon Jae In und der früheren US-Regierung unter Donald Trump aufgenommen hatte. Die Gespräche sind jedoch seit 2019 nicht weiter vorangekommen. In diesem Jahr hat Nordkorea bereits besonders viele Tests konventioneller Raketensysteme durchgeführt.

Nordkorea: Wachsende Spannungen nach neuen Raketentests

Die Nachbarstaaten Südkorea und Japan sowie die USA verurteilten den neuen Raketentest scharf. Die USA kündigten neue Sanktionen gegen Einrichtungen an, die „sensible Elemente für das nordkoreanische Raketenprogramm“ geliefert haben sollen. Dazu zählen unter anderem zwei russische Unternehmen. Der japanische Verteidigungsminister sprach von einer „ernsthaften Bedrohung mit einer anderen Dimension als zuvor“.

Nach Angaben der Regierung in Tokio sei die Rakete in japanischen Hoheitsgewässern gelandet. Der scheidende südkoreanische Präsident Moon warf Pjöngjang den Bruch seines selbst auferlegten Moratoriums vor. Nordkorea wiederum erklärte, bei dem Test sei es um den friedlichen Zugang zum Weltraum und die Entwicklung eines Erdbeobachtungssatelliten gegangen.

Der amerikanische Informationsdienst Stratfor hält eine allgemeine Verschärfung der Spannungen in der Region infolge des Raketentests für wahrscheinlich. Die südkoreanische Regierung hat als Reaktion eigene Waffentests veranlasst. Dabei gehe es um Waffensysteme, mit denen nordkoreanische Raketenbasen attackiert werden könnten. Der Schritt sei eine Abkehr von der bisherigen Politik Südkoreas, Raketentests nicht mit Raketentests zu beantworten.

Eine Aufrüstung Südkoreas wiederum habe das Potential, die Spannungen des Landes mit China zu verschärfen. Der designierte, rechtsgerichtete südkoreanische Präsident Yoon Seok-yeol hat bereits erklärt, er wolle die Raketenabwehrsysteme des Landes verstärken und mit den USA über die Stationierung neuer Waffensysteme verhandeln. Ein solcher Schritt würde von der japanischen Regierung wahrscheinlich begrüßt werden, während China das amerikanische Raketenabwehrsystem THAAD in Südkorea als gegen das eigene Land gerichtet sieht (https://worldview.stratfor.com/article/how-north-koreas-recent-icbm-test-will-affect-region).


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