Nordkorea hat erneut einen Raketentest durchgeführt. Der Abschuss einer Mittelstreckenrakete ist Medienberichten zufolge der größte Raketentest des Landes seit 2017. Die Regierungen von Südkorea und Japan protestierten. Die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel nehmen wieder zu, nachdem die Verhandlungen zwischen den beteiligten Staaten 2019 ins Stocken geraten sind.

Die Situation auf der koreanischen Halbinsel ist wieder angespannt. Am Sonntag hat Nordkorea erneut einen Raketentest durchgeführt. Wie der Generalstab der südkoreanischen Streitkräfte mitteilte, handelte es sich dabei um eine Mittelstreckenrakete, die etwa 800 Kilometer in Richtung offenes Meer geflogen sei. Dabei habe sie eine Flughöhe von 2.000 Kilometern erreicht. Die Angaben wurden von Japan bestätigt. Demnach sei die Rakete ins Japanische Meer gestürzt. Spiegel Online zufolge handelt es sich um den größten Raketentest Nordkoreas seit 2017, als sich die internationalen Spannungen rund um Nordkoreas Atomprogramm auf einem Höhepunkt befanden.

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Stärkung der konventionellen Waffensysteme

Seit dem 1. Januar hat das abgeschottete ostasiatische Land bereits mehrere Raketentests durchgeführt. Zu den getesteten Waffensystemen zählten Kurzstreckenraketen, taktische Lenkraketen, Cruise Missiles sowie zwei Hyperschallraketen. Dem amerikanischen Informationsdienst Stratfor zufolge deuten die Tests daraufhin, dass Nordkorea sich derzeit auf die Stärkung seiner konventionellen Waffenarsenale fokussiert und mit den militärischen Fortschritten Südkoreas Schritt halten will.

Stärkere konventionelle Kapazitäten würden dem Land mehr Spielräume für militärische Eskalationen verschaffen, sollten sich die Beziehungen zu Südkorea, Japan und den USA weiter verschlechtern. Die Anzahl von Waffentests sei in diesem Jahr deutlich größer als in den vergangenen beiden Jahren. Zudem sei es unüblich, dass Nordkorea im Januar Raketentests durchführe.

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Verhandlungen stocken seit Jahren

Südkorea und Japan protestierten gegen den neuen Raketentest. Die Regierung in Seoul berief eine Sitzung des Nationalen Sicherheitsrats ein. Der südkoreanische Präsident Moon Jae-In bewertete den Test als erneuten Verstoß gegen UN-Resolutionen, die Nordkorea die Tests von ballistischen Raketen und Atomwaffen verbieten. Zudem nähere sich das Land dem Bruch seines selbst auferlegten Moratoriums für Tests von Langstreckenraketen. Moon forderte Nordkorea dazu auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren.

Die Verhandlungen zwischen beiden koreanischen Staaten über einen Friedensprozess sowie die Gespräche mit den USA über die Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel sind seit 2019 ins Stocken geraten. Damals war das zweite Gipfeltreffen zwischen Nordkoreas Führer Kim Jong-Un und dem damaligen US-Präsidenten Donald Trump ergebnislos abgebrochen worden.


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