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Donnerstag, Mai 30, 2024
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    Jugend wählt mehr AfD – wird die Partei unsere Probleme lösen?

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    Laut einer Studie geht es der Jugend immer schlechter. Sowohl mentale Probleme als auch die gesellschaftlichen Krisen und sich häufenden Kriege machen jungen Menschen zu schaffen. Die AfD scheint hier für einige einen Ausweg aus ihrer miserablen Lage darzustellen. Doch ist das wirklich so? – Ein Kommentar von Luis Tetteritzsch.

    Die Studie „Jugend in Deutschland“, die seit 2020 regelmäßig vom Jugendforscher Simon Schnetzer durchgeführt wird, zeigt auf, wie sich junge Menschen inmitten sich verschärfender Krisen auf der Welt belastet fühlen.

    Vor allem die AfD schafft es mittlerweile vermehrt, sich innerhalb der Jugend als Protestpartei und „Alternative“ gegenüber den regierenden Ampelparteien und als vermeintlicher „Problemlöser“ für die Sorgen der Jugend zu etablieren. Unter den 14- bis 29-Jährigen liegt die AfD dabei mit 22 Prozent an der Spitze. 2022 waren es noch neun Prozent. Auch die CDU/CSU erreicht 20 Prozent – vier Prozent mehr als noch 2022.

    Alle anderen Parteien verlieren bei der jungen Generation an Stimmen: Die Grünen sacken von 27 Prozent in 2022 auf 18 Prozent ab, die SPD liegt bei 12 Prozent (2022: 14 Prozent) und die FDP halbiert ihre Zustimmung – von 19 auf 8 Prozent.

    Im Interview mit Tagesschau.de erläutert Schnetzer, dass sich die Forschenden mit dem Ende der Coronapandemie – die einen Tiefpunkt in der mentalen Gesundheit und dem sozialen Leben vieler Jugendlichen darstellte – einen gewissen positiven Aufschwung erhofft hatten. Dieser sei aber nicht eingetreten. Vielmehr habe sich der Negativtrend fortgesetzt.

    Warum wählt die Jugend mehr AfD?

    Schnell stellt sich hier die Frage, warum Teile der Jugend von faschistischen Kräften wie der AfD in ihren Bann gezogen werden.

    Wie grundsätzlich richtig erwähnt wird, konnte sich die AfD in ihrer altbekannten Rolle als „Anti-Establishment“ und „Oppositionspartei“ gegen die anderen Regierungsparteien profilieren.

    Diese sahen sich seit ihrer Amtszeit 2021 mit einer neuen Krise nach der anderen konfrontiert und waren im wahrsten Sinne des Wortes damit beschäftigt, eine „Zeitenwende“ des geostrategischen Kurses Deutschlands zu bewältigen.

    Im Jahr 2021 waren es die Nachwirkungen der Ende 2018 begonnen Wirtschaftskrise, sowie die fortgesetzte Corona-Pandemie. Damit hat die deutsche Wirtschaft noch heute zu kämpfen.

    Im Februar 2022 kam es zum russischen Einmarsch in die Ukraine. Dieser zwang den deutschen Staat und seine Regierung dazu, einen grundlegenden Schwenk in der bisherigen geostrategischen Richtung des deutschen Imperialismus durchzuführen.

    Ein Jahr Zeitenwende: Deutschland auf Kriegskurs

    Genau diese Krisen konnte die AfD natürlich sehr gut nutzen, um sich als „Retter in der Not“ zu inszenieren, während die restlichen bürgerlichen Parteien der Ampelregierung natürlich mit den Krisen und Kriegen in Verbindung gebracht wurden. Es waren Umstände, welche die Jugend teils besonders hart getroffen haben und bei der Bewältigung der Krisen von der regierenden Politik stark vernachlässigt wurden.

    So mussten Schüler:innen während der Pandemie beispielsweise teils Monate, wenn nicht sogar Jahre, auf Luftfilter für ihre Klassenräume warten. Entsprechende digitale Ausstattungen für Schulen, um während der Corona-Pandemie den Unterricht „normal” fortsetzen zu können, sind bei vielen Schulen bis heute noch nicht angekommen. Die Teuerungen lasten auch besonders stark auf den Jugendlichen. Hier gab es keine wirklichen Ausgleiche bei BAFöG und Co.

    Abgesehen davon sehen wir aber auch, dass der gesamtgesellschaftliche Diskurs in den letzten Jahren stark nach rechts verschoben wurde. Auf der politischen Bühne können wir diesen Rechtsruck wohl am klarsten anhand der Entwicklung der Ampelregierung selber sehen. Als „Fortschrittskoalition“ gestartet, haben sich ihre Parteien mittlerweile als aggressive Kriegsparteien entlarvt. Sie halten die Kriege in der Ukraine oder den Genozid in Palästina mit finanzieller Unterstützung und Waffenlieferungen am Laufen. Auch ihre einst groß auf die Fahne geschriebene soziale Asylpolitik ist recht schnell hinter ihren Abschiebeoffensiven und Angriffen auf die Rechte von Geflüchteten mit ihrer Zustimmung zur GEAS-Reform oder dem zynisch formulierten „Rückführungsverbesserungsgesetz“ verschwunden.

    Diese Rechtsentwicklung in der Politik spüren wir auch in der Gesellschaft. Gerade der Krieg Israels gegen die palästinensische Bevölkerung wird hierzulande genutzt, um nicht nur den Kampf gegen Antisemitismus und Rassismus gegeneinander auszuspielen. Auch die Rhetorik, mit der die Politiker:innen ihre Reden schwingen oder die Medienkonzerne ihre Artikel formulieren, schüren ganz gezielt Rassismus in der Bevölkerung.

    Allgemein können wir also sehen, wie nicht nur bei der Jugend, sondern in der gesamten Gesellschaft die öffentliche Meinung durch rassistische Hetze von Medienhäusern und Parteien nach rechts beeinflusst werden.

    Woher kommen der steigende Antisemitismus und antimuslimische Rassismus?

    Problemlösung weder durch AfD noch die Ampel

    Die Studie geht unter anderem auch auf die größten Sorgen der Jugend ein: Inflation (65 Prozent), Krieg in Europa und Nahost (60 Prozent), die Spaltung der Gesellschaft (49 Prozent) oder Klimawandel (48 Prozent) sind dabei einige der größten Probleme der Jugend heutzutage.

    Wirft man einen kurzen Blick auf das Wahlprogramm der AfD, erkennt man recht schnell, dass diese keine Lösung bieten werden. Weder sind sie für höhere Löhne gegen die Teuerungen, noch für Abrüstung oder Klimaschutz. Stattdessen setzten sie noch stärker auf Rassismus. Doch auch die anderen bürgerlichen Parteien von den Grünen über SPD, FDP bis hin zur Linkspartei werden keine Antworten auf die drängendsten Fragen der Jugend bieten.

    Sie alle stehen ein für eine Politik der Konzerne – wenn auch mit verschiedenen Nuancen und Schwerpunkten. Versuchen sie, uns anfangs mit ihren Wahlversprechen für ihre Politik zu gewinnen, verraten sie uns spätestens mit der Annahme ihres Wahlsiegs. Aus „Bildung für alle“ werden dann „Bomben für Palästina“. Sie geben Unternehmen eine Finanzspritze nach der anderen und investieren Milliarden ins Militär, während der soziale Sektor, Gesundheitsbereich und die Bildung ausgehungert werden.

    Gegen AfD, Regierung und Kapitalismus

    „Es fehle der jungen Generation eine motivierende Zukunftsperspektive“, so Simon Schnetzer. Ihm zufolge müsse man sich darüber Gedanken machen, wie die reale „Beteiligung” und Mitbestimmung der Jugend auf der Arbeit, in den Schulen und den Kommunen ausgeweitet werden könnte.

    Doch eine etwas breitere „Beteiligung“ am kapitalistischen System wird uns nicht von seinen Krisen befreien können. Wollen wir all die Probleme beseitigen, die uns Jugendliche plagen – ob Wirtschaftskrise, imperialistische Kriege, eine unsichere Zukunft oder drohende Klimakatastrophen – dann müssen wir sie an der Wurzel packen. Diese Wurzel ist das kapitalistische System selber, dem sie entspringen! Parteien, die lediglich das Ziel haben, die Politik für ihre jeweilige Kapitalfraktion in den Vordergrund zu stellen, werden natürlich keine Lösung unserer Probleme sein.

    Stehen wir stattdessen für eine Gesellschaft ein, in welcher nicht mehr der Profit und die Konzerne herrschen. Eine Gesellschaft, in der wir tatsächlich Teil von politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entscheidungsprozessen sind und nicht dazu verdonnert werden, alle vier Jahre ein Kreuz zu setzen für eine Partei, die sich mehr um die Zahlen auf den Konten deutscher Unternehmen schert als um unsere Bedürfnisse.

    Indem wir genau diese Gesellschaft, den Sozialismus, erstreiten, werden wir auch eine Gesellschaft schaffen, die eben nicht mehr gesetzmäßig zu Krisen und Kriegen führt. Eine Gesellschaft, die nicht auf der Ausbeutung und Unterdrückung von uns Arbeiter:innen fußt und dadurch auch keine Notwendigkeit für die Hetze gegen andere Jugendliche hervor bingt, die auch Teil der Arbeiterjugend sind.

    • Seit 2023 Autor für Perspektive Online. Schreibt gerne über die Militarisierung des deutschen Imperialismus und dem Widerstand dagegen. Denn: "Der Hauptfeind steht im eigenen Land!"

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