Unbesetzte Ausbildungsplätze auf Rekordhoch. Kapitalistische Institute rätseln über den Grund. 

Laut einer Studie des kapitalnahen „Instituts der deutschen Wirtschaft“ (IW) blieben im Jahr 2021 circa 63.000 aller Ausbildungsplätze unbesetzt. Das entspricht knapp 12 Prozent aller gemeldeten Stellen. Dem IW zufolge liegt die tatsächliche Zahl aber wohl deutlich höher. Bezieht man dazu noch die Plätze mit ein, die nicht bei der Arbeitsagenturen gemeldet sind, seien es knapp 40 Prozent.

Seit 2013 sei die Anzahl an gemeldeten unbesetzten Ausbildungsplätzen kontinuierlich angestiegen. Am höchsten ist der Anteil mit 60,4 Prozent beim Verkauf von Fleischwaren, aber auch im Klempner-Handwerk, in der Gastronomie oder im Beton- und Stahlbetonbau fehlt es an Auszubildenden.

Als eine Maßnahme fordert das IW, dass „in der Berufsorientierung besonders auf Berufe mit hohem Fachkräftemangel aufmerksam gemacht werden“ sollte.

Dabei gibt es in Deutschland schon seit Jahrzehnten das Phänomen, dass es einerseits eine Menge unbesetzter Ausbildungsplätze und gleichzeitig viele Jugendliche gibt, die keinen Ausbildungsplätze finden. Ein Grund dafür sind die niedrigen Ausbildungsvergütungen, die es Jugendlichen zum Beispiel nicht ermöglichen, für die Ausbildung in eine eigene Wohnung in einer anderen Stadt zu ziehen oder den Arbeitsweg zu finanzieren.

Auch die schlechten Arbeitsbedingungen in Branchen wie der Gastronomie spielen eine Rolle, wenn dort Stellen unbesetzt bleiben. Diese Probleme werden sich nicht durch besondere Konzentration auf auf den Fachkräftemangel lösen lassen.


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