In Berlin-Pankow wurde am vergangenen Freitag eine Frau auf offener Straße von ihrem Ex-Mann ermordet. Daraufhin kam es zu Protest aus dem Stadtteil und von revolutionären Kräften.

Am vergangenen Freitag wurde eine 31-jährige Frau und sechsfache Mutter im Berliner Stadtteil Pankow ermordet. Ihr Ex-Mann erstach sie an der Ecke Mühlenstraße/Maximillianstraße. In einem offenen Brief der Schwester der Ermordeten werden auch die Behörden der Stadt und ihre Untätigkeit angeprangert.

Dort heißt es: „Am 29.04.2022 wurde unsere geliebte Schwester in Berlin ermordet. Sie hatte es nach Jahren häuslicher Unterdrückung gewagt, das Recht auf ein selbstbestimmtes Leben wahrzunehmen. Zum Mord an ihr kam es, nachdem sie und ihre Umgebung die Behörden in Berlin über ihre Bedrohung durch den Mann informiert hatten, der sich als ihr Eigentümer sieht. Unserer Schwester wurde der Schutz verwehrt, der ihr das Leben hätte retten können, und der ihren Kindern die traumatische Erfahrung des Verlusts erspart hätte. Sie war nicht das erste Opfer einer Schutzlosigkeit, die man nicht anders erklären kann als mit der zynischen Geringschätzung des Lebens von Frauen mit muslimischem Migrationshintergrund. […] Immer wieder spricht die deutsche Polizei nach Femiziden von ,Beziehungsdramen‘. Diese zynische Verharmlosung von Frauenmorden muss aufhören.“

Auch auf einer Kundgebung, die die antikapitalistische Frauenorganisation ZORA am Dienstag organisiert hatte, wurde die Polizei in die Verantwortung genommen. Ebenso wurde die Rolle der bürgerlichen Medien in den Fokus gestellt, die in solchen Fällen immer wieder von Beziehungsdramen spricht.

Ebenso wurde kritisiert, dass die afghanische Herkunft der Ermordeten und des Täters zur rassistischen Aufladung des Falls genutzt wurden. Stattdessen wurde immer wieder betont, dass es sich um einen Femizid handelt, also einen Mord an einer Frau wegen ihres Geschlechts, der eben nicht durch Religion sondern die Unterdrückung der Frau verursacht wird.

Bei der Kundgebung kamen auch einige Anwohnerinnen zu Wort, von denen einige in antifaschistischen und Frauenorganisationen organisiert waren und von der Tat und dem Schock, den diese in der Nachbarschaft ausgelöst hatte, berichteten. Auch Angehörige waren vor Ort und berichteten davon, wie die Polizei die Bedrohung der Frau durch den späteren Täter nicht ernst genommen hatte.


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