Heute Nachmittag treten in fünf deutschen Häfen die Arbeiter:innen in einen ersten Warnstreik. Sie wehren sich gegen die Folgen weltweiter Lieferkettenprobleme und fordern einen “tatsächlichen Inflationsausgleich” sowie 1,20 Euro mehr pro Stunde.

Heute bestreiken Hafenarbeiter:innen die Spätschichten in den Häfen Hamburg, Emden, Bremen, Bremerhaven und Wilhelmshaven. Sie setzen sich ein für ihre rund 12.000 Kolleg:innen, die in 58 Seehafenbetrieben tätig sind. Weil rund 70 Prozent der Arbeiter:innen in der Branche gewerkschaftlich organisiert sind, ist mit einem spürbaren Streik für die Betriebe zu rechnen. Allein in Bremen rechnet die ver.di mit einer vierstelligen Zahl an Streikenden.

Der Zentralverband der deutschen Seehafenbetriebe (ZDS) bietet bislang eine Lohnerhöhung in zwei Schritten: Nun 3,2 Prozent mehr, im nächsten 2,8 Prozent mehr. Die Arbeiter:innen fordern stattdessen einen “tatsächlichen Inflationsausgleich” sowie eine Erhöhung des Stundenlohns um 1.20 Euro. Da die Löhne teilweise bei unter 15 Euro pro Stunde liegen, würde das für diejenigen, die im Hafen am wenigsten verdienen, eine Lohnsteigerung um rund 14 Prozent bedeuten.

Die Hafenarbeiter:innen stehen spätestens seit der Corona-Pandemie vor der Herausforderung, dass an ihrem Arbeitsplatz die weltweiten Lieferprobleme aufeinander treffen: Es gibt kaum freie Flächen für Container, weil Frachter sich verspäten, andere Frachter warten tage- und wochenlang darauf, beladen zu werden und blockieren die Liegeplätze. Die Hafenarbeiter:innen seien “an ihre Belastungsgrenzen und bisweilen auch deutlich darüber hinaus” gegangen, erklärt ver.di-Verhandlungsführerin Maya Schwiegershausen-Güth. “Sie haben mit ihrer eigenen Hände Arbeit den Laden am Laufen gehalten”.

Die Unternehmensseite nennt den Streik hingegen “verantwortungslos und inakzeptabel”.


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