Die Lehrerverbände kritisieren die Diskussion um die Aufhebung der Isolationspflicht bei einer Corona-Erkrankung. Das könnte zu erneuten Schulschließungen im kommenden Herbst führen.

Eine Aufhebung der Isolationspflicht würde bedeuten, dass die Menschen trotz einer Infektion weiter zur Arbeit, in die Schule oder in die Uni müssen. Somit würden sich die Ansteckungsraten deutlich erhöhen.

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes (DL), Heinz-Peter Meidinger, kritisiert die vielen Fehler seit dem Beginn der Pandemie und ihre fehlende Nachbesserung. Von Anfang an habe es keine oder zu späte Schutzmaßnahmen an Schulen gegeben, keine rechtzeitigen Hygienepläne und keine oder zu späte Maskenpflicht.

Ebenfalls schlecht laufe die Kommunikation zwischen den Schulen und dem Gesundheitsministerium. „Allerdings war der Austausch mit dem Gesundheitsministerium, ob der Minister nun Spahn oder Lauterbach heißt, nie gut. Die reden lieber mit Ärzten oder in Talkshows als mit Lehrerverbänden“, so Meidinger.

Drohende Verschärfung des Lehrermangels

Bereits seit Jahren haben die Schulen mit Lehrermangel zu kämpfen. Die Situation hat sich mit dem Beginn der Pandemie noch einmal deutlich verschärft. Durch die Aufhebung der Isolationspflicht, wenn also die Lehrer:innen zur Schule kommen müssten, würden sich die Infektionen untereinander nochmal erhöhen. Die Situation würde also nochmal verschärft. Meidinger sagt dazu, dass bereits dann, wenn mehr als 20% der Lehrer:innen erkrankt seien und ausfielen, kein normaler Schulbetrieb mehr stattfinden könne.

Jugendliche seit Beginn der Pandemie abgehängt

Die Pandemie hat die bereits bestehende Chancenungleichheit noch einmal stark verschärft. Jugendliche aus ärmeren Familien wurden noch weiter zurück gedrängt und vergessen. Durch die Schulschließungen und den Wegfall des Präsenz-Unterrichts in der ersten Zeit der Pandemie kamen die meisten dieser Schüler:innen mit dem Lernstoff nicht mehr hinterher. Viele hatten z.B. kein eigenes Endgerät, um am Online-Unterricht teilzunehmen, oder kein eigenes Zimmer, in dem sie in Ruhe lernen konnten.

2021 wurde dann ein milliardenschweres Aufholprogramm beschlossen. Hier hat sich aber bereits früh gezeigt, dass die Maßnahmen nicht so effektiv sind wie erwartet, und nicht diejenigen Jugendlichen erreichen, die es am meisten brauchen.

Weitere Schulschließungen könnten auch unter dem Aspekt fatal sein, dass Jugendliche in der Schule einen Großteil ihrer Zeit verbringen und Freund:innen treffen und sich sozialisieren. Erste Studien zeigen, das die starke Vereinsamung durch die Pandemie unter Jugendlichen zu einem Anstieg an Depressionen und Drogenmissbrauch führt.


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