Die ungarischen Behörden erteilen eine Baugenehmigung für zwei neue Atomkraftwerke. Die Staatsführung bejubelt dies als strategischen Schritt in Richtung Energiesicherheit. Jedoch werden in der EU Konflikte laut.

Die ungarische Atomaufsichtsbehörde hat eine Baugenehmigung für zwei neue Atomreaktoren erteilt. Sie sollen im Kernkraftwerk Paks gebaut werden.
Die Anlage in Paks verfügt derzeit über vier kleine – in Russland gebaute – Reaktoren des Typs “WWER 440”, die zwischen 1982 und 1987 in Betrieb genommen wurden. Sie haben eine Gesamtleistung von etwa 2.000 Megawatt, was rund die Hälfte des Energiebedarfs Ungarns deckt.

Grundlage für die neuen Kraftwerke ist ein Vertrag zwischen der “Föderalen Agentur für Atomenergie Russlands” (Rosatom) und Ungarn aus dem Jahre 2014. Dabei schlossen die beiden Staaten auch eine Kreditvereinbarung im Umfang von rund 10 Milliarden Euro zur Finanzierung der Bauvorhaben ab.

Die Kernenergie unterliegt nicht den Sanktionen der Europäischen Union, weswegen die russisch-ungarische Kooperation keinen Bruch mit den geltenden Gesetzen darstellt. Darüber hinaus wurde der Auftrag für die beiden neuen Reaktoren ohne Ausschreibung unmittelbar an Rosatom übergeben. Die zwei neuen Reaktoren des Typs “WWER” haben jeweils eine Kapazität von 1,2 Gigawatt. Damit würde Ungarn mehr als doppelt so viel Kernenergie herstellen wie aktuell.

Die Pläne für die beiden neuen Blöcke in Paks dienten den strategischen Interessen Ungarns, begründete Außenminister Péter Szijjártó den Deal nach einem Treffen mit dem Chef von Rosatom im Mai. Auf einem öffentlichen Post auf Facebook unterstrich er: „Dies ist ein großer Schritt, ein wichtiger Meilenstein. […] Auf diese Weise gewährleisten wir langfristig die Energiesicherheit Ungarns und schützen die Ungarn vor heftigen Schwankungen der Energiepreise.“

Budapest kritisiert seit Monaten die Sanktionspolitik der EU gegen Russland. Mitte August hatte Russland begonnen, im Rahmen einer Sondervereinbarung mehr Gas als ursprünglich vereinbart an Ungarn zu liefern. Im Westen befürchtet und beanstandet man nun die neuen Abhängigkeiten von Russland.


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