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Freitag, März 1, 2024
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    Kämpferische Demo nach Tod von Arbeiter Refat Süleyman bei ThyssenKrupp Duisburg: Über 1.000 Menschen fordern Aufklärung und Gerechtigkeit

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    Über 1.000 Menschen sind am Sonntag lautstark durch Duisburg gezogen und haben Aufklärung zum Tod des 26-jährigen Refat Süleyman gefordert. Der Reinigungsarbeiter war Anfang letzter Woche leblos in einem Schlackebecken des Duisburger Großkonzerns ThyssenKrupp aufgefunden worden. Die Polizei geht nicht von Fremdverschulden aus, doch Protestierende bezweifeln das. Vor allem viele Fragen zur Arbeitssicherheit seien offen. Auch in seiner bulgarischen Heimatstadt Plovdiv versammeln sich hunderte Menschen.

    Die Wut ist groß in Duisburg auf der Demonstration am Sonntag unter dem Titel „Sicherheit für Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen von thyssenkrupp und Gerechtigkeit für den toten bulgarischen Jungen”. Laut Angaben des bulgarischen Nachrichtenportals filibeliler sind es 1.500 Menschen, die vom Wohnort des verstorbenen Refat Syuleyman zum Werkstor des Duisburger Stahlkonzerns ThyssenKrupp ziehen. Hier entlädt sich die Verzweiflung besonders lautstark.

    Viele Menschen kommen selber aus Duisburg, seien aber auch aus umliegenden Städten und sogar aus den Niederlanden und Frankreich angereist.

    Sie fordern Gerechtigkeit (“Adalet”) für den 26-jährigen Arbeiter, der am vergangenen Montag Abend tot in einem Schlackebecken des Stahlunternehmens aufgefunden worden war. Sein Körper war bei einer Befüllung nach oben gespült worden. Zuvor war tagelang nach ihm gesucht worden, nachdem er am Freitag zuvor nicht von der Arbeit nach Hause zurück gekehrt war. Zuvor hatte es bereits einen ersten spontanen Protest vor dem ThyssenKrupp-Werk gegeben.

    Auch in seiner Heimatstadt Plovidv in Bulgarien versammelten sich hunderte Menschen, um des Verstorbenen zu gedenken.

    Fragen nach Arbeitssicherheit

    Derzeit wird die Todesursache von der Polizei untersucht, die jedoch bisher von keinem Fremdverschulden ausgeht. Auch das Amt für Arbeitsschutz beim NRW-Arbeitsministerium ist beteiligt.

    Die Protestierenden wollen sich mit diesen Antworten nicht zufrieden geben. filibeliler listet eine ganze Reihe avon offenen Fragen auf:

    • „Warum wird Refat bereits am zweiten Tag des Arbeitsvertragsbeginns beauftragt, ein Becken mit Industrieschlacke zu reinigen – eine Tätigkeit, die mit erhöhter Gefahr verbunden ist?
    • Warum hat er diese Aufgabe allein und ohne Aufsicht seines unmittelbaren Vorgesetzten ausgeführt?
    • Hat Refat die notwendige Einweisung in die Arbeit in einer gefährlichen Umgebung durchlaufen, bevor er mit der Reinigung beauftragt wurde?
    • Warum behaupteten die örtlichen Behörden und der Arbeitgeber zunächst, dass Refat als Generalarbeiter für das Anbringen von Verkehrszeichen auf der Baustelle eingestellt wurde?
    • Gibt es eine Diskrepanz zwischen der im Vertrag beschriebenen Arbeitsspezifikation und den tatsächlichen Arbeitsaktivitäten, die der Arbeitnehmer durchgeführt hat?”

    Refat Süleyman war über die Arbeitsvermittlung Eleman mit Sitz in Oberhausen beschäftigt. Diese hatte ihn in das Stahlwerk in Duisburg entsandt.

    Um Antworten auf diese und andere Fragen zu finden, haben die heutigen Demonstrant:innen beschlossen, ein Komitee aus Angehörigen, Mitgliedern des örtlichen Vereins zur Verteidigung der Rechte der Bulgaren in Duisburg und Gewerkschaftern zu gründen. Dieses will auf einer  transparenten Untersuchung von Vertreter:innen der Arbeitsagentur, den Eigentümer:innen des Stahlwerks und den Ermittlungsbehörden bestehen.

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