Hapag-Lloyd, die größte deutsche Reederei, ist mittlerweile das profitabelste Unternehmen des Landes. Grund dafür sind das Geschäft mit den Lieferengpässen und weltweite Monopolabsprachen. – Ein Kommentar von Julius Strupp

Wie das Investmenthaus Blue Alpha Capital erwartet, wird das deutsche Reederei-Monopol Hapag-Lloyd seinen Nettogewinn in diesem Jahr auf 18 Milliarden steigern. Damit würde es Volkswagen als bislang einträglichstes Unternehmen der Bundesrepublik überholen.

Insgesamt wird eine Profitsteigerung von 73% bei den zehn größten Reedereien weltweit erwartet. Doch woran liegt das?

Wir sitzen nicht alle in einem Boot!

Auf den ersten Blick mag es komisch klingen, dass gerade ein deutsches Reederei-Unternehmen seinen Profit derart steigern konnte. Gab es nicht gerade in der Schifffahrt Engpässe und Einschränkungen?

Tatsächlich ist es aber nicht so, dass es in der derzeitigen wirtschaftlichen Entwicklung nur Verlierer gibt, wie uns oft weis gemacht werden soll. Hapag-Lloyd profitiert offensichtlich sogar. Das liegt daran, dass sich die größten Reedereien in drei weltumspannenden Kartellen zusammengetan haben.

Hapag-Lloyd ist Teil von „THE Alliance“, der auch HMM aus Südkorea und ONE aus Japan angehören. Darüber hinaus existieren die „Ocean Alliance“ und das Kartell „2M“. Gemeinsam haben diese drei Kartelle einen Marktanteil von fast 83%. So können sie den Häfen ihre Bedingungen aufdrücken und Preise in die Höhe treiben, um sich größere Profite einzuheimsen.

Im Herbst kam es beispielsweise zu einer künstlichen Verknappung der Transportschiffe zwischen Ostasien und Europa, da das Geschäft auf der Strecke zwischen Amerika und Asien attraktiver war. Jan Hoffmann, Handelsexperte der Uno-Welthandelskonferenz Unctad, gibt sogar zu, dass die Reedereien im Jahr 2021 die offiziellen Teuerungszahlen 1,5% in die Höhe getrieben haben.

Im Klartext: Die Teuerungen sind nicht etwa nur Resultat des Kriegs, sondern auch der Jagd nach größtmöglichem Profit! Es gibt klare Profiteure der aktuellen Lage – und wir müssen für ihre Gewinne bezahlen.

Dass es diese Kartelle in offizieller Form gibt, ist dabei durch Ausnahmeregelungen der EU für Reedereien möglich. Vor 13 Jahren hatte sie derartige Zusammenschlüsse erlaubt. Die nun gebildeten Konsortien werden dabei auch immer aktiver im Aufkauf von und Beteiligungen an „Hinterlandslogistik“, also Bahn, LKW und Co.

Hapag-Lloyd hat seinerseits einen chilenischen Logistikdienstleister geschluckt. Zudem wird der Schiffsriese auch anderweitig von staatlicher Seite gestützt: Von seiner ungefähr neun Milliarden Euro starken Gewinnsumme musste er nur 0,67% in Steuern abführen.

Viele Unternehmen gehen pleite, wenige Monopole profitieren

Monopole zerschlagen?!

Die EU-Sonderregelung läuft allerdings 2024 aus, auch erhöhen kleinere maritime Unternehmen derzeit den Druck, um sie zu Fall zu bringen. Wie so oft wird sich nach „mehr Konkurrenz“ und vermeintlich faireren Regeln gesehnt.

Allerdings sind Monopolkonzerne, die Produktion und Markt kontrollieren und mit anderen derartigen Unternehmen Absprachen treffen, längst keine Seltenheit mehr. Sie bilden vielmehr das Herzstück der heutigen Wirtschaft.

Dabei ist es nur logisch, dass unterlegene Konkurrenten sich staatliche Maßnahmen erhoffen, um vielleicht selbst zum Zug zu kommen. Aber auch derartige Riesenkartelle sind aus der Konkurrenz verschiedener kapitalistischer Unternehmen entstanden – und wenn sie zerschlagen werden, wird das gleiche erneut passieren.

Was aber tun, wenn wir der Macht der Großkonzerne nicht weiter ausgesetzt werden sein wollen? Schließlich spüren wir sie ja gerade täglich im eigenen Geldbeutel.

Man muss sich dieser Frage anders nähern. Die Lösung ist nicht, „mehr Konkurrenz“ und kleinere Unternehmen zu schaffen, denn das ist eine Illusion. Vielmehr böten die Großkonzerne, die aktuell die Wirtschaft in ihren Händen halten, auch Möglichkeiten: In ihnen sind Tausende von Arbeiter:innen zusammengefasst und über sie läuft der Löwenanteil wirtschaftlicher Produktion. Das Problem ist, dass sie einzelnen Oligarch:innen gehören und nur nach dem größten Profit streben, statt im Dienste der Gesellschaft zu stehen.

Werden sie aber in einem sozialistischen System von den Arbeiter:innen übernommen, bieten sie die Möglichkeit, zu einer gesamtgesellschaftlichen Planung der Wirtschaft überzugehen – jenseits von Profitmacherei. Unsere Antwort auf die Geschäfte großer Konzerne an unserer Verarmung sollte also nicht sein, der Illusion nachzuhängen, dass die Konkurrenz und der Markt unsere Probleme lösen würden. Stattdessen müssen wir für die konsequente Entmachtung der Großkonzerne im Sozialismus kämpfen.


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