Nach der Kehrtwende Chinas in seiner Corona-Politik, droht in dem ostasiatischen Land eine gesundheitliche Katastrophe – mehrere hunderttausend könnten an den Folgen der Erkrankung sterben.

Am 07. Dezember 2022 hat das bevölkerungsreichste Land der Welt seine No-Covid-Strategie aufgegeben. Während zuvor noch gesamte Stadtteile mit Millionen Menschen zwangsisoliert wurden und gegen ihren Willen in riesige Quarantäneelager gebracht wurden, werden seitdem sogar die staatlichen Testzentren geschlossen und zurückgebaut. Momentan sollen etwa 5,4 Millionen Personen infiziert sein, 5000 Menschen sollen täglich an der Viruserkrankung sterben. Offizielle Zahlen fehlen.

Die neue Strategie des Staatschefs Xi Jinpings baut auf der Durchseuchung der chinesischen Bevölkerung auf. Begründung der chinesischen Regierung ist, dass die vorherrschende Omikron-Variante zu harmlos für die rigorosen Maßnahmen sei. Es wird vermutet, dass die Explosion der Infektionszahlen dazu geführt hat, dass es der Regierung faktisch unmöglich war, die Maßnahmen aufrecht zu erhalten.

Grundsätzlich stimmt die Annahme über die Gefährlichkeit der Omikron-Variante auch, allerdings ist China aus verschiedenen Gründen nicht ausreichend für diese Strategie gerüstet:

Die Regierung hat es unterlassen, die Impfstoffe an die aktuelle Variante anzupassen, weswegen die verwendeten chinesischen Impfstoffe weniger wirksam als die europäischen sind. Gleichzeitig ist die Impfquote in den ländlichen Regionen, in denen der Anteil älterer Personen höher ist, nicht hoch genug – nur 70 Prozent der mehr als 60-Jährigen und 40 Prozent der Menschen über 80 Jahren haben eine Auffrischimpfung erhalten. Durch die No-Covid-Strategie der letzten Monate ist auch die Zahl der Genesenen niedriger als in westlichen Ländern. Zulasten der Bevölkerung geht auch die Informationspolitik der chinesischen Regierung: Zahlen werden nicht veröffentlicht oder beschönigt.

Die Krankenhäuser melden zu Ende gehende Blutkonserven, während Bestattungsunternehmen nicht mit Einäscherung der Verstorbenen hinterherkommen. Eine Situation, die an diejenige in Bergamo zu Beginn der Pandemie 2020 erinnert.

Aufgrund dieser Situation hat China den Export von Paracetamol und Ibuprofen – fiebersenkende Medikamente – eingestellt. Betroffen von diesem Exportverbot ist auch die Bundesrepublik Deutschland. Der Branchenverband Pro Generika gab jedoch Entwarnung, dass keine kurzfristige Einschränkung der nationalen Arzneimittelversorgung zu erwarten sei.

Durch die steigenden Infektionszahlen wächst auch in Deutschland die Sorge, dass neue Mutationen entstehen und ihren Weg nach Europa finden können. Gleichzeitig fordert der außenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Jürgen Hardt, dass Flugverbindungen nach China und aus China nach Deutschland einzustellen seien. Während das Bundesverkehrsministerium diese Forderung schon mit der Begründung zurückwies, dass kaum Flüge zwischen China und Deutschland stattfinden würden, zeigt die Äußerung, dass trotz entgegengesetzter Beobachtung bei Verbreitung der vergangenen Varianten, Hardt noch davon ausgeht, dass Reisebeschränkungen die Ausbreitung in der international vernetzten Welt stoppen könnte.


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