„Grüne“ Investments sind so beliebt wie noch nie. Doch ob das angelegte Geld wirklich in nachhaltige Projekte fließt, bleibt den Banken überlassen.

409 Milliarden Euro investierten Anleger:innen laut Umweltbundesamt 2021 in so genannte „nachhaltige Fonds“. Das sind Geldanlagen, die Rücksicht auf die Umwelt und Menschen legen und etwa erneuerbare Energien vorantreiben sollen. Damit hat sich die angelegte Summe seit 2019 mehr als verdoppelt. Auch bei der Bankwahl achten Verbraucher:innen immer mehr auf die Nachhaltigkeit der Unternehmen. Damit folgt die Anlagebranche dem allgemeinen Trend. Doch wie grün diese Projekte wirklich sind, ist äußerst fragwürdig.

Das Problem der ungeschützten Begriffe

In den Werbungen der Banken zu diesen Anlagemodellen wird mit den Begriffen „nachhaltig“, „ethisch“ oder „umweltfreundlich“ nur so um sich geworfen. Verbunden mit Bildern von friedlicher und unberührter Natur wird den Zusehenden suggeriert, mit ihrem Geld „etwas Gutes für Mensch und Umwelt tun zu können“. Das Problem dabei: Die Begriffe „nachhaltig“, „ethisch“ und „umweltfreundlich“ sind nicht geschützt. Das heißt, es benötigt keinerlei Voraussetzungen, um sie verwenden zu dürfen. Somit können Banken ohne Probleme weiter in die Rüstungsindustrie, Atomkraft, Kinderarbeit, in fossile Brennstoffe, Lebensmittelspekulationen oder ähnliches investieren, ihre Anlagemodelle einfach umbenennen und sich überdies noch als „nachhaltig“ oder „grün“ präsentieren.

Fast die Hälfte der „besonders nachhaltigen“ Fonds sind unökologisch

Laut Handelsblatt legen sogar knapp 48 Prozent aller als besonders nachhaltig („Dark Green“) etikettierten Fonds in Europa Geld auch dort an, wo keinerlei ökologischer Mehrwert zu erkennen ist. Dabei profitieren die Unternehmen gleich mehrfach: Erstens können sie mit Begriffen wie „nachhaltig“ und „umweltfreundlich“ ihre eigentlich kruden Investitionen bequem verstecken und gleichzeitig Kund:innen anlocken. Zweitens werden mit dem Argument der Nachhaltigkeit höhere Kosten für Anleger:innen gerechtfertigt, deren Zahlungsbereitschaft bei dieser Art von Projekten meist deutlich höher ist. Und drittens greifen Unternehmen zusätzliche Steuergelder durch staatliche Förderungen für Nachhaltigkeit ab.

Gibt es trotzdem nachhaltige Banken?

Heutzutage gibt es genügend Banken, die nach Eigenbeschreibung ein „nachhaltiges und ethisches“ Bankgeschäft verfolgen. Bei genauerem Hinsehen lässt sich jedoch schnell der Etikettenschwindel erkennen. So untersuchte beispielsweise der FairFinanceGuide 14 dieser Banken. Wichtige Kriterien bei der Nachhaltigkeit waren, ob Investitionen in Waffen und Rüstung, Kinderarbeit, Arbeitsrechtsverletzungen, Menschenrechtsverletzungen, Atomkraft, fossile Brennstoffe, industrielle Tierhaltung oder Glücksspiel nachgewiesen werden konnten. Bei den meisten Banken wurden Investitionen in mindestens einen dieser Bereiche dokumentiert.

Doch wie sieht es mit den restlichen Banken aus? Sind diese also nachhaltig? Die Antwort ist wohl enttäuschend. Denn selbst wenn das Geld in vermeintlich nachhaltige Projekte fließt, bleibt das Prinzip Investition gleich: Aus Geld mehr Geld machen. Diese Wirtschaftsweise funktioniert nur durch ein stetiges globales Wachstum. Ein Wachstum, das Ressourcenverbrauch und Vordringen in unberührte Teile der Welt und das damit einhergehende Zerstören der Natur voraussetzt und damit zwangsläufig auf Kosten der Umwelt geht. Dieser Wirtschaftsweise können Banken nicht ausweichen, selbst wenn sie auf den ersten Blick „nachhaltig“ erscheinen.


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