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Mittwoch, Mai 22, 2024
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    EU schließt Stromabkommen mit Aserbaidschan ab, während Bergkarabach seit Tagen blockiert ist

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    Europa soll bereits in wenigen Jahren Ökostrom aus Aserbaidschan durch ein Unterwasserkabel geliefert bekommen. Dafür wurde am Wochenende ein entsprechendes Abkommen unterzeichnet. Währenddessen droht in Bergkarabach eine humanitäre Katastrophe, weil aserbaidschanische „Aktivisten“ den Zugang zu der Region blockieren.

    Über 1.100 Kilometer lang soll das geplante Unterwasserstromkabel durch das Schwarze Meer bis zum EU-Mitglied Rumänien sein. Die Staats- und Regierungschef:innen der Länder Aserbaidschan, Georgien, Rumänien und Ungarn unterzeichneten dafür am Samstag ein entsprechendes Abkommen. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen wohnte der Unterzeichnung ebenfalls bei.

    Zusammenarbeit mit Aserbaidschan verstärkt

    Durch das wohl längste elektrische Wasserkabel der Welt soll „grüner“ Strom aus Offshore-Windparks – das sind Windparks, die im Küstenvorfeld der Meere errichtet werden – nach Europa exportiert werden. Damit will die EU sich wegen des Kriegs in der Ukraine bezüglich Energielieferungen weiter unabhängig von der russischen Föderation machen.

    Von der Leyen betont, dass damit zudem erneuerbare Energien stärker integriert werden sollen und somit die „Zukunft auf sauberen, bezahlbaren und sicheren Energiequellen zu gründen.“

    Aserbaidschans Präsident Ilham Alijew bezeichnete das Abkommen als „neue Brücke zwischen der EU und Aserbaidschan.“ Die Vereinbarung sieht außerdem vor, dass es eine zunehmende Zusammenarbeit bei neuen Technologien im Energiebereich zwischen Aserbaidschan und der EU geben soll.

    Bevölkerung Bergkarabachs seit Tagen abgeschirmt

    Derweil sind in der zwischen Armenien und Aserbaidschan umkämpften Republik Bergkarabach über 120.000 Menschen seit Tagen von der Außenwelt abgeschnitten. In ihr leben hauptsächlich Armenier:innen, die dadurch nun keinen Zugang mehr zu Nahrungsmitteln, Medikamenten und Benzin haben. Der Leiter der Republik, Ruben Wardanjan, spricht von einer „totalen Blockade“.

    Aserbaidschan spricht in diesem Zusammenhang von einer Sperrung durch „Umweltaktivisten“, die den sogenannten „Latschin-Korridor“ blockiert hätten. Dabei handelt es sich um diejenige Gebirgsregion, in der die einzige asphaltierte Straße zwischen Armenien und Bergkarabach liegt. Wie T-Online berichtet, handele es sich bei den Blockierer:innen um Anhänger:innen der aserbaidschanischen Regierung, die von einflussreichen Regierungspolitiker:innen in der Hauptstadt Baku öffentlich unterstützt würden.

    Ein alter Konflikt

    Der Konflikt der beiden Länder Armenien und Aserbaidschan um die Region ist bereits über 100 Jahre alt. Seit Ende 2020 flammt der Konflikt um Bergkarabach immer wieder auf, nachdem aserbaidschanische Truppen Armenien überfielen und dadurch große Teile der Republik erobern konnten.

    Zuletzt eskalierte der Krieg erneut im vergangenen September, und über 150 Menschen wurden bei dem Angriff der aserbaidschanischer Armee getötet. Während Armenien in einem von Russland geführten militärischen Bündnis sitzt, hat Aserbaidschan durch seine guten Beziehungen zur Türkei eine direkte Verbindung zur NATO.

    2 Tage Krieg zwischen Aserbaidschan und Armenien – was verbirgt sich dahinter?

    Kritik an der EU

    In den Sozialen Medien wurde währenddessen Kritik an dem Abkommen laut: Die EU, namentlich Kommissionspräsidentin Von der Leyen, schließe Partnerschaft mit einem kriegsführenden und zudem diktatorisch geführten Land. Dabei wird kritisiert, dass sie auf der einen Seite Abstand zu der russischen Föderation herstellen möchte, sich dann aber alternativ Ländern annähert, die ebenfalls Angriffskriege oder Verstöße gegen die Menschenrechte zu verantworten hätten.

    Zudem wurde kritisiert, dass Aserbaidschan selbst seinerseits Gas aus Russland exportiere, das dann weiter an die EU geleitet werde. Somit werde über Umwege weiterhin Energie aus Russland bezogen und Baku mit Sitz der Aserbaidschanischen Regierung erhalte zudem noch Geld für den Krieg gegen Armenien.

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