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Sonntag, Mai 19, 2024
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    Teuerungen: Energiekosten explodieren trotz staatlicher Preisdeckel

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    Die Bundesregierung hat auf die explodierenden Preise für Strom und Gas mit Preisbremsen ab Januar reagiert. Diese federn die Teuerungen im Durchschnitt jedoch nur minimal ab. Stromkund:innen werden im Januar im Schnitt 44 Prozent mehr bezahlen als im Herbst 2021. Für Gas sind es sogar 112 Prozent mehr. Die Energiekonzerne profitieren massiv von diesen Preisanstiegen, die zudem seit Jahren staatlich gewollt sind.

    Die staatlichen Preisbremsen für Strom und Gas werden die Kostenexplosion für Verbraucher:innen nur geringfügig bremsen. Das geht aus einer Auswertung des Vergleichsportals Verivox hervor, über die zuerst das Handelsblatt berichtet hat. Im Durchschnitt werden Verbraucher:innen im Januar 44 Prozent mehr für Strom bezahlen als im Herbst 2021. Für Gas liegt die Teuerung sogar bei 112 Prozent.

    5 Prozent Strompreisersparnis durch staatliche Preisbremsen

    Für eine Familie mit einem Jahresverbrauch von 4000 Kilowattstunden läge die Stromrechnung im kommenden Jahr bei 1764 Euro. Wäre die Preisbremse nicht in Kraft, würde die Familie 56 Euro mehr bezahlen. Der Effekt der Preisbremse für Strom liegt demnach bei lediglich 5 Prozent. Beim Gaspreis wird die Teuerung durch die Preisbremse zwar um knapp 70 Prozent begrenzt. Trotzdem würde die vierköpfige Familie bei einem Gasverbrauch von 20.000 KWh eine Jahresrechnung von 2756 Euro erhalten – und damit mehr als doppelt so viel wie bisher bezahlen. Lediglich einzelne Verbraucher:innen würden der Auswertung zufolge durch die Preisbremse spürbar weniger belastet.

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    Preispolitik der Energiemonopole

    Die Preise für Gas, Öl und Kohle sind seit Herbst 2021 drastisch angestiegen. Dem lag zunächst einerseits die Belebung der Weltwirtschaft nach Krise und Corona-Lockdowns zugrunde. Die Teuerung ist jedoch vor allem das Ergebnis einer gezielten Preispolitik der Energiemonopole. Erst kürzlich wurde zum Beispiel bekannt, dass Gashändler mehr als 30 mit Flüssiggas beladene Tanker vor Europas Küsten umherschippen ließen, um vor der Auslieferung weiter steigende Preise abzuwarten.

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    Steigende Energiepreise sind staatlich gewollt

    Hinzu kommt, dass die Preissteigerungen für Energie seit Jahren staatlich gewollt sind, nämlich zur Finanzierung des Umstiegs der deutschen Energieversorgung und Industrie auf erneuerbare Energien. Die Kosten hierfür, die von der Unternehmensberatung McKinsey auf ca. 6 Billionen Euro geschätzt worden sind, sollen unter anderem über die 2021 eingeführte CO2-Steuer und künftige CO2-Zölle von der Arbeiter:innenklasse bezahlt werden, nämlich über die Strom-, Gas- und Ölrechnung.

    Staatliche Entlastungsmaßnahmen wie die Abschaffung der EEG-Umlage im Juli oder die Senkung der Mehrwertsteuer auf Gas im Oktober ändern nichts an diesem grundsätzlichen Finanzierungsmechanismus. Zur weiteren Explosion des Gaspreises kam es in diesem Jahr schließlich infolge des Ukraine-Kriegs und der gegenseitigen Sanktionsmaßnahmen zwischen den westlichen Ländern und Russland. Seit Jahresbeginn hat sich der Einfuhrpreis für Erdgas fast verdreifacht.

    Energiekrise kommt erst 2023 richtig bei Verbraucher:innen an

    Ein Sprecher des Vergleichsportals Verivox sprach nun davon, dass die Energiekrise im Jahr 2023 „voll bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern ankommen“ werde. Die Energiekosten würden auf absehbare Zeit hoch bleiben. Zudem würden sie schon jetzt für zahlreiche Verbraucher:innen einen immer größeren Teil des Haushaltsbudgets verschlingen. Allein für Januar und Februar lägen aktuell schon 724 Preiserhöhungen von regionalen Stromversorgern vor. Verbraucherschützer:innen gehen davon aus, dass viele Stromkonzerne die Situation ausnutzen, um „unangemessen hohe“ Preissteigerungen durchzusetzen.

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